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besteht dasselbe jetzt noch aus zwei rechtwinklig zu einander ;gestellten Flügeln, welche zwar in verschiedener Zeit erbaut sind, !aber beide der zweiten Hälfte des XV. Jahrh. angehören. Der 1gröfsere von Osten nach Westen gerichtete zweigeschossige Flii- !gel ist in seiner äufseren Erscheinung eine mit einigen Variatio- inen und in derberen Kunstformen erbaute Kopie der Frolm-leiclinamskapelle an der St. Katharinen-Kirche zu Brandenburg. !Diese Annahme gründet sich besonders auf die Gesammtgestal- [tung und Detailgliederung der dreitheiligen Ost.fa9.ade, welche !mit achteckigen Strebepfeilern besetzt, dieselbe Struktur der mitRosettenmaafswerk durchbrochenen Giebel zeigt, wie jene Ka- ,pelle. Die einzige erhebliche Abweichung, welche sichtbar ist, |jbesteht in der Anordnung gepaarter Spitzbogenfenster in beidenGeschossen, welche stets von einer gröfseren Spitzbogenblende jgemeinschaftlich umrahmt werden. Auch das Innere der beidengewölbten Säle dieses Flügels, deren auf dicken Birnenrippen ilruhende Sterngewölbe von achteckigen Mittelpfeilern getragenwerden, zeigt die gröfste Verwandtschaft mit dem Pfeilersystem j;von St. Katharina. Die Pfeiler sind hier wie dort an den Eckenmit Rundstäben besetzt und mit sehr ähnlichen Basen und Käm-pfern in gehäuften und unschön profilirten Formen ausgestattet. '|Dabei fehlt es dem Rathhause an der Eleganz der äufseren Pro-file, an dem Reichthume der Rosettenbildung und auch an dertrefflichen Technik, welche St. Katharina auszeichnen. Da über-dies an den Formsteinen des in Rede stehenden Bautheiles Zie- !
S gelstempel auftreten, deren einen der Holzschnitt dar-stellt, so wird auch hierdurch die Annahme, dafs dieserFlügel nach 1440 erbaut worden ist, überzeugend bestä-tigt. Mit Rücksicht auf die am Chorbau von St. Stephan er-wiesene Thatsache, dafs Meister Berthold Schulte seine Bauaus-führung wesentlich an Vorbilder der Stadt Brandenburg ange-schlossen hat, ist sogar die Annahme zulässig, dafs auch dieserRathhausflügel von ihm herrührt und dann als ein Vorläuferdes Chorbaues von St. Stephan, wahrscheinlich ca. 1460—1465ausgeführt worden ist *).
Der von Süden nach Norden gerichtete Flügel ist untenmittelst vier breit gespannter Spitzbogen als Gerichtslaube (lo- !,bium) geöffnet und besitzt im obern Stockwerke einen langen, jmit zwei Sterngewölben bedeckten Raum, dessen Rippen auf tau- j|förmigen Diensten mit Maskenkapitellen ruhen. Obschon der ijkleine Bau in guter und solider Technik ausgeführt ist, so ent- j|behrt er doch jeder originellen Gestaltung. Die Strebepfeiler ;sind lissenenartig mit schwachem Vorsprunge gebildet, die flach- j!bogigen breiten Fenster von Spitzbogenblenden umrahmt und | ;der an der Südseite belegene Stufengiebel ebenfalls mit tauför- |migen, auf Masken beginnenden Diensten geschmückt, kurz, es jjsind alle Kennzeichen einer Bauausführung vom Ende des XV. |jJahrh. vorhanden. Diese Annahme wird ebenso sehr durch den 1Mangel an Ziegelstempeln wie durch die stark hervortretendeVerwandtschaft mit dem Nordkreuzgiebel von St. Stephan und jidem Westgiebel von St. Elisabeth zweifellos unterstützt. Beson- !ders charakteristisch ist die völlig übereinstimmende Bildung undVerwendung verzerrter Masken an den genannten Bautheilen,welche auch in der Frohnleichnamskapelle von St. Stephan undam Klostergebäude vom Allerheiligen Kloster erscheinen. Ausallen diesen Gründen folgt mit Sicherheit, dafs dieser Siid-Nord-flüa'el ca. 1490 erbaut worden ist.
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Die Nordfatjade, welche durch Brände schwer beschädigtund durch Anbauten entstellt war, ist durch die oben erwähnteRestauration mit einer massiven Bogenhalle, in der die Haupt-treppe emporsteigt und einem damit verbundenen achteckigen J'Treppenthürmchen — beide in modern gothisehen Formen er- ||
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’) Hervorzuheben ist die Thatsache, dafs die an den oberen Theilen dieses Rathhaus-flügels vorkommendcn Ziegelstempel mit denen vom Lettner und Refektorium des Domes zuStendal (s. Stempel b S. 59) genau übereinstimmen, so dafs auch hierdurch die Gleichzei-tigkeit der Bauausführungen um 1460 erwiesen wird.
richtet — ausgestattet und dadurch wesentlich verbessert wor-den *).
Das Rathhaus bewahrt ein oblonges Messingreliquiar, wel-ches mit Bogennischen, fialengekrönten Strebepfeilern und zw T ölfApostelfiguren sehr reich geschmückt ist, und zur Ablegung vonEiden bei dem Gerichtsverfahren des Mittelalters gedient hat.
X. Burg Tangermünde.
Die Burg Tangermünde, welche schon am Anfänge des XI.Jahrh. genannt wird, bildete anderthalb Jahrhunderte lang eineder äufsersten und wichtigsten Grenzfesten des deutschen Rei-ches gegen die Wendenländer. Nach völliger Germanisirung die-ser Gebiete wurde sie von den anhaltinischen Markgrafen biszu ihrem Aussterben als Absteigequartier häufig benutzt. Alsdie Mark Brandenburg aber von den baierschen Fürsten an dasluxemburgische Haus gekommen war, erkor sich Kaiser Karl IV.die Burg zum Lieblings-Wohnsitze und gestaltete dieselbe durcheinen grofsartigen Umbau zu einem festen Residenzschlosse. Spä-ter residirten die beiden ersten Kurfürsten aus dem Hause Ho-henzollern auf dem Schlosse und erweiterten dasselbe durchmehrfache An- wie Umbauten. Von der äufsern Erscheinungdieser geräumigen, hart an dem hohen Elbufer belegenen Schlofs-anlage giebt der Stadtprospekt in Merians Topographie S. 19eine annähernde Vorstellung. Leider ging ein grofser Theil desSchlosses, darunter die auf das prachtvollste geschmückte Schlofs-kapelle St. Johannes, bei einer Beschiefsung durch die Schwe-den im J. 1640 zu Grunde. Sechzig Jahre später, von 1699 bis1700 wurde auf Befehl des letzten Kurfürsten Friedrich III. einneues Jagdhaus (das jetzige Amtsgebäude) in einfachen Renais-sanceformen errichtet.
Aus den ältesten Zeiten hat sich nichts, aus Karl’s IV. Zeitmit Ausnahme der riesigen 60 Fufs hohen Futtermauer am Elb-ufer nur der mächtige, sogenannte Kapitelsthurm, welcher alsBergfried des Schlosses diente, erhalten. Dieser Thurm, 31|Fufs lang und 211 Fufs tief, seiner oberen, mit vier gegiebeltenErkern geschmückten Spitze längst beraubt, steigt mit gebösch-ten Mauern bis zu einer Höhe von 70 Fufs einfach und schmuck-los empor 2 ) und dient jetzt als Speicher.
Ein auf dem Schlofshofe stehendes, zweigeschossiges Ge-bäude giebt sich in seinen Kunstformen, — gepaarten, von einerspitzbogigen Blendnische umrahmten unteren Fenstern und flach-bogigen Oberfenstern als einen Bau aus der zweiten Hälfte desXV. Jahrh. zu erkennen, welchen die vorkommenden Ziegelstem-pel auf ca. 1460 datiren lassen.
Noch etwas später, um 1480, ist der das Aufsenthor derBurg seitwärts deckende, mit Wappenblenden und glasirten Zick-zackstreifen verzierte 60 Fufs hohe Rundthurm, der die gröfsteVerwandtschaft mit dem Steinthortliurme in Brandenburg zeigt,aber seines Zinnenkranzes beraubt ist, erbaut worden 3 ).
C. Die Stadt Werben.
Die Burg Werben erscheint wie Tangermünde zuerst in derGeschichte mit dem Anfänge des XI. Jahrh. als eine feste Grenz-burg des deutschen Reiches gegen die heidnischen Wendenlän-der. Welche Geltung und Bedeutung diese in günstiger Lage
’) Abgebildet in Förster’s Banzeit. a. a. O. Bl. 324. Diese Nordfa<;ade hat Lübkein seiner Architektnrgeschichtc (I. Aufl. S. 339) als ein hervorragendes Beispiel nnter denProfanbauten des Backsteinbaues angeführt und abgebildet. Offenbar hat der Verfassersich so sehr auf sein kritisch geübtes Auge verlassen, dafs er es nicht für nöthig erachtethat, den Text von Deutschmann zu lesen, aus welchem er ersehen konnte, dafs dieseganze Fa^ade nach einem Entwürfe des Herrn Geh. Rath Stüler ausgeführt worden ist.
2 ) Sehr ähnlich dem Kapitelsthurme in Maafsen und Formen ist der Bergfried desSchlosses zu Wittstock, welchen Bischof Johannes Wepelitz von Havelberg 1396—1399erbauen liefs.
’) Vergl. die Abbild, in Strack a. a. O. Bl. 17.