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richtete oblonge Westthurm *) befolgt in seiner schlichten Ge-staltung und Gliederung das System der Thürme von St. Ste-phan. Die Ecken sind mit Lissenen eingefafst, die Stockwerkedurch Gurtgesimse bezeichnet und die Glockenstube mit gepaar-ten, von einer spitzbogigen Blende umrahmten Schallöffnungen
* ausgestattet. Die vorkommendenjp{^| Ziegelstempel, von denen der Holz-schnitt 2 ) eine Darstellung giebt,so wie die völlige Uebereinstimmung der Formsteine lassen mitSicherheit schliefsen, dafs der westliche Glockenthurm von St.Nikolaus zwischen 1460—1470 erbaut worden sein mufs.
III. Dominikaner Klosterkirche Allerheiligen.
Historisches.
Ueber die Stiftung dieser zum gröfsten Theile nicht mehrvorhandenen, aber in architektonischer Beziehung höchst ausge-zeichneten Kirche sind die urkundlichen Nachrichten sparsamund lückenhaft. Die wichtigste Mittheilung hat eine ehemalsan der Westwand vorhanden gewesene Inschrift überliefert, wel- !che lautete: „Anno 1438 hat Markgr. Friedrich der Jünger mit •Willen und I ollword des Raths, difs Kloster Prediger Ordens, ijGott dem Allmächtigen zu ewigem Lobe, der Hochgelobten Jung- jjfrauen Marien der Mutter Gottes und allen Gottes Heiligen zu Eh- ijren und Würdigkeit gestiftet, und die Stätte und Plan dazu vereh- jjret. Welche Fundalion Papst Eugenius 17. in selbigem Jahre con- jjfirmiret, auch mit Privilegien und Indulten betcidmet. Ferrariae ji14. Cal. Decembr. Ao. pontificatus sui octavo “ 3 ). An diese, kei-nesfalls aus der Stiftungszeit herrührende, sondern wahrscheinlich i;der Zeit nach der Reformation ca. 1550 entstammende Inschriftschliefst sich die urkundliche Nachricht, dafs Kurfürst Friedrich II. jjim J. 1442 dem Kloster Prediger (d. h. Dominikaner) Ordens ijjährliche Einnahmen, welche das Geschlecht der Schulczen zu jjTangermünde inne gehabt hatte, zu einer ewigen Lampe in derKirche vereignete 4 5 ). Aus dieser Mittheilung darf man den Schlufs jjziehen, dafs der 1438 begonnene Stiftungsbau der Klosterkirche j !1442 hinreichend vollendet gewesen ist, um zur innern Ausstat- jtung mit Lampen etc. vorzugehen. Der Klosterkonvent hat nichtlange bestanden, schon im J. 1544 wurde das Kloster vom Kur-fürsten Joachim II. der Stadt zur Einrichtung eines Hospitals fürArme und Kranke übergeben. Die grofse und schöne Kirchebestand wohlerhalten bis zum Jahre 1626, wo der dänische Ge-neral Fuchs behufs Herstellung einer Schiffsbrücke über die Elbe |viele Balken des Dachverbandes herausschneiden liefs. Ein bald Ijdarauf eingetretener heftiger Orkan warf den Dachverband her- junter und beschädigte die Gewölbe, welche dann, da die drang- i|salvollen Zeiten des dreifsigjährigen Krieges keine Reparatur ge- jstatteten, allmälig einstürzten. Der Hauptabbruch der schönen jRuine erfolgte im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts, j 1
Baubesch reibung').
Der Grundrifs der mittelgrofsen Klosterkirche bestand, demder Dominikaner Kirchen zu Brandenburg und Neu - Ruppin
') Vergl. die Abbild, des Neust'adter Thores bei Strack a. a. 0. Bl. 22, worin derGlockenthurm von St. Nikolaus im Hintergründe erscheint.
2 ) Es verdient bemerkt zu werden, dafs der vom Bathhause zu Stendal S. 67 mitge-
tli eilte Stempel auch hier erscheint, dafs ferner der Stempel a den an den Südfenstern des n
Domes zu Brandenburg vorkommenden sehr ähnlich ist und dafs die Stempel b und d an jj
den spätgothischen Seitenschiffsfenstem zu Jerichow vorhanden sind. Durch die Ermittelung jjdieser Thatsache wird es möglich, die Bauzeiten jener Bautheile genauer festzustellen, als jes bei dem Mangel an Nachrichten sonst möglich wäre. ;
3 ) Vergl. G. G. Küster, Tangermündische Denkwürdigkeiten S. 47 ff., auch Biedela. a. O. XVI, 65 ff.
Markgraf Friedrich der Jüngere ist der spätere Kurfürst Friedrich II, welcher auch dasKloster auf dem Marienberge bei Brandenburg und die daselbst belegene Schwanenordens -kapello 1443 erbaut hatte.
4 ) Riedel a. a. O. XVI, 73. j
5 ) Eine kleine aber schöne Perspektive, welche die wenigen, noch stehenden Frag- j
mente der Kirche nebst den Klostergebäuden darstellt, findet sich in Strack und Meyer- !
heim a. a. O Bl. 18. Der Titel dieser Abbild, lautet St. Gertraud’s - Kirche, und diese |Bezeichnung findet sich auch sonst angewendet, ist aber irrig, denn die 1438 neu erbaute j
entsprechend, aus dem dreischiffigen Langhause und dem ein-schiffigen polygon geschlossenen Chore. Beide Bautheile warenmit Kreuzgewölben überdeckt, die im Chore auf Wanddiensten,im Langhause auf vier Paar runden Mittelpfeilern und zwei Paarhalbrunden Wandpfeilern bei ca. 34 Fufs Axenweite des Mittel-schiffs ruhten. Breite Spitzbogenfenster erleuchteten das Innereder mit Schiefer gedeckten Kirche, welche wahrscheinlich einenkleinen Dachreiter statt des Glockenthürmchens besafs. An dieSüdseite des Langhauses schlofs sich der Kreuzgang an, der dieziemlich ausgedehnten Klostergebäude mit der Kirche verband.
Von diesem Gebäudekomplexe sind nur die sehr verbauten,südlich und östlich von dem ganz zerstörten Kreuzgange bele-genen Klostergebäude, sowie ein mit ihnen unmittelbar verbun-denes Wandstück der Kirche erhalten. Obschon die noch ste-henden Reste nur ein Bruchtheil der einstigen Anlage ausma-chen, so ist man doch im Stande, auf Form, Gröfse und künst-lerischen Werth der Kirche sicher schliefsen zu können. Derwerthvollste, noch erhaltene Theil der Kirche, auf Bl. XLII, Fig. 4dargestellt, ist die Innenwand der südlichen Umfassungsmauerdes Chores, an welche sich der halbe Rundpfeiler der Südarka-den des Langhauses mit der östlichen Abschlufsmauer des süd-
lichen Seitenschiffs lehnt. Die trefflichen Verhältnisse der ein-fachen strengen Struktur, die Reinheit und Eleganz der Detailssowie die mustergültige Technik lassen sofort einen hervorra-genden Bau aus der ersten Hälfte des XV. Jahrh. erkennen. ImChore sind die Strebepfeiler als 5 Zoll vortretende, oberhalbdurch Spitzbogen verbundene Wandlissenen charakterisirt, wel-che in dem polygonen Theile vom Fufsboden an emporsteigen,im Langhaustheile des Chores in ca. 9 Fufs Höhe mittelst vor-gekragter Schichten beginnen. Die auf sehr gut profilirten Rip-pen ruhenden Kreuzgewölbe werden von dreifach gebündeltenRundstabdiensten getragen, welche sich auf blattlosen Kelchkon-solen erheben und an Stelle der Kapitelle mit einfachen acht-eckigen Kämpfersteinen ausgestattet sind. Vergl. das im Profil,Vorder- und Seitenansicht gegebene Detail Fig. 1. Dieselbe Struk-tur wiederholt sich an dem erhaltenen halbrunden Wandpfeiler,welcher, an drei Seiten mit Rundstabdiensten besetzt, als beson-deren Schmuck schwarz glasirte, spiralförmig emporsteigendeStreifen zeigt. Auch besitzt derselbe Pfeiler eine ausgebildeteBasis und an dem ringförmigen Kämpfer oberhalbdes in der Richtung der Längenaxe angeordnetenDienstes ein reicher gestaltetes Kämpferkapitell,dessen Form der Holzschnitt mittheilt. Die Glie-derung der Längsgurte, wovon ein Bruchstück andem halbrunden Pfeiler noch vorhanden ist, warreich, aber schon etwas schwächlichprofilirt. Der Holzschnitt giebt vondiesem Profile eine Darstellung. DieFenster waren, wie die am Chore vor-handenen, in Fig. 4 sichtbaren Frag-mente lehren, einfach aber kräftig mittiefen Laibungen profilirt und mit viertheiligem Stabwerke aus-gesetzt.
Alle diese Details stimmen mit den entsprechenden, amChore und Querschiffe des Domes und an der Nordmauer derSt. Marienkirche zu Stendal vorhandenen Kunst- und Struktur-formen so genau überein, dafs dadurch auch ohne das gesicherteDatum von 1438 nicht nur die völlige Gleichzeitigkeit dieserBauwerke erwiesen wird, sondern auch auf die Ausführung durchdenselben Baumeister geschlossen werden darf. Für diese An-nahme spricht aufser der Uebereinstimmung der Detailbildungund der Gleichartigkeit der Technik besonders die wichtige That-sache, dafs nirgends Ziegelstempel Vorkommen, deren, wie anden betreffenden Stellen hervorgehoben, auch Chor und Quer-
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Dominikanerkirche hiefs stets „Allerheiligen“ und das Kloster „Pauliner Kloster“. Da aberin derselben Gegend dicht neben der Klosterkirche auch eine Kapelle St. Gertrud gestan-den hat, so scheint sich der Name St. Gertrud bei der Klosterkirche traditionell erhaltenzu haben.