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und des Altstädter Rathhauses zu Brandenburg unmittelbar zu-sammenhängt. Die Fa^ade des nördlichen Querschiffs ist aufBl. XXXIX, Fig. 2 dargestellt. Obwohl dieselbe dadurch ein be-sonderes Interesse erweckt, dafs die östlich angebauten Neben-kapellen mit dem Querschiffsflügel unter ein gemeinsames Dachgebracht sind und deshalb in der Fa^ade mit einem gemeinsa-men Stufengiebel einheitlich verbunden werden mufsten, so istdennoch die hergestellte Lösung nur als ein naiver Versuch die-ser schwierigen Aufgabe zu betrachten, da die erstrebte Einheitnur sehr unvollkommen erreicht worden ist. Auch scheint dererste Entwurf nicht zur Ausführung gekommen zu sein, weildie Stufengiebel in sehr unschönen Verhältnissen erbaut sindund nach dem Charakter der Details, Bl. XXXVII, Fig. 6, beur-theilt, jedenfalls erst dem Schlüsse des XV. Jahrh. angehören.Auf der Südseite ist die entsprechende Lösung nicht mehr er-halten, sondern durch die nachträgliche Hinzufügung der west-lich belegenen Nebenkapelle ein sehr breiter Giebel in Renais-sanceformen errichtet worden, welcher die beiden Joche gemein-schaftlich überdeckt und in sehr nothdürftigen, halbrohen Struk-turformen stufenartig die Front der kleinen Zwillingskapellenbekrönt Q. Viel erfreulicher erscheint die Gestaltung der beidenQuerschiffsportale auf Süd- und Nordseite, von denen das nörd-liche Bl. XXXIX, Fig. 2 und das südliche mit dem DetailprofileBl. XXXVIII dargestellt worden ist. Obschon diese Portaledurch die vielfache Verwendung spätgothischer Formen, Fisch-blasen etc., von einer gewissen Nüchternheit nicht freizuspre-chen sind, so gewährt doch die reiche, phantastische Kompo-sition, deren elegante Details in einer meisterhaften Technikhergestellt sind, einen höchst anziehenden, künstlerischen Ein-druck * 2 3 4 ).
Die Westfront ist sehr einfach gestaltet. Die Westmauerwird unten von einem grofsen, nüchtern gebildeten Spitzbo-genportale durchbrochen, welches später eingesetzt worden zusein scheint und wegen der Aehnlichkeit mit dem Portale vonSt. Elisabeth aus dem Jahre 1460 stammt. Weiter oberhalbwird die Fa^ade durch Eck- und Mittellissenen als eine zwei-thürmige Anlage vorbereitet, welche in allen wesentlichen Thei-len, Spitzbogenblenden, gekreuzten Stabfriesen etc., die schöneFront der Stendaler Marienkirche wiederholt :| ). Nur der nörd-liche Thurm hat noch das Obergeschofs bewahrt, welches abertrotz des Reichthums an Reliefmaafswerk durch die steife, ge-radlinige Komposition desselben und durch die Einführung vontauförmigen Rundstabprofilen bei den Einfassungen die späteBauzeit erkennen läfst. Wahrscheinlich ist die Westfront in ih-ren oberen Theilen erst nach Vollendung des Chor- und Quer-schiffbaues einschliefslich der Giebel, also im Anfänge des XVI.Jahrh. zur Vollendung gekommen '), zu welcher Zeit auch diewestlich am Südkreuzflügel belegene, mit einem Sterngewölbebedeckte, in ihren Detailformen (Masken an den Kämpfern) mitdem Westtheile des Rathhauses eng verwandte Kapelle hinzu-gefügt worden ist.
Technisches.
Ursprünglich zeigte das Innere der St. Stephanskirche dasBaumaterial des Backsteins in seiner natürlichen Färbung, dochhaben mehrfache Restaurationen sie dieses Vorzuges längst be-raubt, so- dafs das Innere trotz seiner freiräumigen Anlage undernten Verhältnisse einen nüchternen Eindruck macht. Interes-
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sant ist die in den verschiedenen Bauzeiten sichtbare Bevorzu-
*) Vergl. die sehr unvollkommene, aber doch charakteristische Abbild. inBüschinga. a. O. Tafel IV.
2 ) Die Aehnlichkeit mit dem Portale des Alttstädtcr Rathhauscs Bl. IX, Fig. 2 undBl. X, Fig. 4, sowie dem Sftdwestportale und den Fensterblcnden an St. Godehard zu Bran-denburg, vergl. den Holzschnitt S. 26, ist unzweifelhaft. Nicht minder verwandt erscheinendie Portale der Schlofskapellen zu Zicsar von 1470 und von Wollmirstädt von 1480. Vergl.die Darstellung des letzteren in von Quast u. Otte, Zeitschr. I, Taf. 17.
3 ) Vergl. die trefflichen Darstellungen beider Kirchen in Strack a. a. 0. Bl. 2 u. 3.
4 ) Diese Annahme bestätigt die in gothischcn Minuskeln eingchauenc Inschrift: Chri-stian stromer 1500, welche oben am Thurmc in einem Fcnstcrschlitzc sich befindet.
gung von Baumaterialien. Der älteste Bau war nur in Backstei-nen errichtet, der Erweiterungsbau vom Anfänge des XIV. Jahrh.hatte Sandstein zu den Plinthen- und Gurtgesimsen, so wie zumFenstermaafswerk verwendet, die dritte Bauperiode hielt dieseMaterialverwendung fest und fügte noch zwei vollständige Dop-pelpforten in Sandsteinarbeit hinzu, während die letzte Bauausfüh-rung ganz ausschliefslich zu dem ursprünglichen vaterländischenBaumateriale, dem Backsteine, zurückkehrte und dasselbe in derreichsten und zierlichsten Formgestaltung benutzte. Die Kon-struktion der vollen Mauern ist in slavischem Verbände herge-stellt. Das Steinformat beträgt an dem oben genannten Restedes Stiftungsbaues 10 Zoll, Zoll und 3 Zoll, an den Unter-mauern des Langhauses 10.| Zoll, 5 Zoll und 3^ Zoll, am Nord-kreuzflügel 10i Zoll, 5| Zoll und 3’ Zoll, am Chorpolygon lOfZoll, 5j Zoll und 3^ Zoll.
Kunstwerke.
Das einzige aus dem grofsen Brande von 1617 noch erhal-tene mittelalterliche Kunstwerk ist das pokalförmige, durch ho-rizontale Reifen mehrfach getheilte und mit Hochreliefs, derKreuzigung, St. Maria, St. Anna und St. Stephan, geschmückteeherne Taufbecken, dessen eine in Minuskeln geschriebene In-schrift besagt, dafs Heinrich Mente dasselbe 1508 gegossen habe.Bei weitem ausgezeichneter und der Hauptschmuck der Kircheist das in Eichenholz geschnitzte, in edlen und reichen Kunst-formen der Renaissance durchgebildete Orgelgehäuse, welches1624 von Hans Scherer aus Hamburg angefertigt worden ist.
Resultat.
Das auf Grnnd der eingehendsten analytischen Untersuchunggewonnene Resultat ergiebt, dafs
1) das östlichste Wandstück der Nordmauer als Rest desStiftungsbaues von 1188,
2) die Nordmauer und Westmauer, Sowie der Untertheil derSüdmauer von ca. 1310—1320,
3) die Schiffspfeiler, Arkaden, Gewölbe und der Obertheil derSüdmauer durch Minhart von Wolderode von 1376—1398,
4) der Unterbau der Thürme von 1440—1460,
5) der Chor, das Querschiff und die östlichen Nebenkapellendurch Bartholdus Schulte von 1470—1485,
6) der Nordgiebel, die Obertheile der Thürme und die Frohn-leichnamskapelle ca. 1490—1510 erbaut worden sind.
II. Pfarrkirche St. Nikolaus.
Urkundliche Nachrichten über die Erbauungszeit der klei-nen, am Westende der Stadt belegenen Kirche fehlen vollstän-dig. Die Tradition bezeichnet dieselbe als die älteste Pfarrkir-che der Stadt und nennt Markgraf Otto I. als ihren Stifter. Diebis zur jüngsten Restauration, welche den alten Charakter desGebäudes völlig beseitigt hat, noch sichtbaren, wohl erhaltenenStruktur- und Kunstformen bestätigen die traditionelle Nachrichtüber die Gründungszeit der Kirche. Die kleine Bauanlage be-steht aus dem oblongen Langhause mit quadratem, platt ge-schlossenem Chore und dem oblongen Westthurme. Chor undSchiff waren nie gewölbt, ihre Umfassungsmauern sind gröfsten-theils aus unregelmäfsig behauenen Granitquadern hergestellt,nur die ursprünglichen kleinen, rundbogig geschlossenen Fen-ster- und Thür-Oeffnungen, sowie der niedrige Triumphbogenzwischen Schiff und- Chor waren mit Backsteinen eingefafstund überwölbt. Diese technische Behandlung zeigte eine grofseVerwandtschaft mit der der Klosterkirche zu Krewese und er-gab mit Sicherheit für das Langhaus und Ghor eine Bauzeitdes XII. Jahrh., so dafs St. Nikolaus als älteste Pfarrkirche(der Tradition entsprechend) vom Markgrafen Otto I. zwischen1170—1184 erbaut worden sein kann. Der in Backsteinen er-