Druckschrift 
1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen
 

45

mehrfache Kriege und Ueberschwemmungen hatten gegen den "Schlufs des Jahrhunderts den Reichthum des Stifts so beein-trächtigt, dafs statt 80 nur noch 20 Nonnen verpflegt werden jkonnten, worüber eine Urkunde des Pabstes Urban VI. vom Jahre i■ 1381 handelt, die zugleich das Patronat der Pfarrkirche zu Oster- jbürg an das Stift überträgt '). Einzelne Schenkungen begü- 'terter Geschlechter finden sich noch im XV. Jahrhundert; unter ;anderen die Schenkung von 40 Mark Lübisch zur Stiftung einer jSeelenmesse, welche Heinrich v. d. Schulenburg vereignet. ' '

Die weiteren Schicksale des Klosters sind unbekannt; nur ;hat kurz vor Eintritt der Reformation eine Reparatur des Kir- ;chengebäudes stattgefunden, wovon eine durch Beckmann auf-bewahrte Inschrift an der Thurmwand Zeugnifs gab. Dieselbelautete:

Renovata haec Aedes Temp. Pap. 1527 post Temp. Refor-mat. 1591. Tert. Anno 1707.

Die Wetterfahne des Thurmes enthält die Buchstaben F. B. M. 'und die Jahreszahl 1598. — Das Kloster wurde 1540 eingezo-gen, die Klostergebäude verfielen und sind im Laufe dieses Jahr-hunderts abgebrochen worden. Die Klosterkirche ist aber nochgut erhalten. |

Baubeschreibung. • jl

7/M

I ! WS/Zß/

rrrrrrrrr,

m. 55 .

Die auf Bl.XXV dargestellte, in den Abmessungen auffallend j;kleine romanische Klosterkirche ist in Form einer dreischiffigen ,Basilika, deren Mittelschiffs-Arkaden ursprünglich den Wechsel [von Pfeiler mit Säulen zeigten, erbaut. Ein Querhaus ist äufser- 1lieh nicht charakterisirt, im Innern aber durch das Aufhören derwechselnden Stützenstellung, sowie durch die ursprüngliche Ab-trennung der Seitenschiffe von der östlichen Verlängerung an-gedeutet. Das Mittelschiff tritt chorartig über die Seitenschiffehinaus und ist mit einer halbkreisförmigen Absis geschlossen, jEinen gleichen Abschlufs besafsen, sicheren Spuren des Funda- !jments zufolge, die verlängerten Seitenschiffe 2 ). Eine ausgebil- :jdete Thurmanlage im Westen war nie vorhanden; vermuthlich jhingen die Glocken zwischen starken Wandpfeilern der hoch hin-aufgeführten Giebelmauer, eine Anordnung, welche mehrfach beikleineren Dorf kirchen der Altmark vorkommt. Der jetzige Fach-werksthurm ist wahrscheinlich nach 1591 erbaut und 1707 re-parirt worden. Die Seitenschiffe waren ursprünglich mit Ton- ;nengewölben bedeckt, in welche sowohl von der Fenster- wie |Arkaden-Seite her Seitenstichkappen einschnitten. Das nörd- >jliehe Seitenschiff hat diese Anordnung noch bewahrt, im südli- !chen Seitenschiff wurde das Tonnengewölbe, sowie zwei derSchiffssäulen beseitigt, als man behufs Herstellung einer Nonnen-

■) Beckmann, Beschreibung der Mark Brandenburg. V. Theil, l.Buch, X. Kap.

S. 158.

2 ) In der Gesammtdisposition ist der Grundrifs von Krewese mit dem der St. Niko-lauskirche vor Brandenburg sehr verwandt. Noch schlichter und alterthümlicher erscheintder Grundrifs der Pfeilerbasilika zu Ammensleben (1129—35). Vergl. v. Quast und Otte,Zeitschrift f. christl. Archäologie und Kunst II, 72 ff.

Empore die Südmauer bis fast zur Höhe der Mittelmauer em-porführte und dieses Seitenschiff mit Kreuzgewölben auf Rippenüberdeckte. Weder das Mittelschiff noch der Chor waren ur-sprünglich gewölbt, obschon die Mauerstärke und die geringeSpannung dies erlaubt haben würde. Doch erkennt man dieseThatsache deutlich an der Axentheilung aller Oberfenster, welchemit der der Arkaden genau übereinstimmt. Erst in späterer Zeitsind das Mittelschiff und Chorquadrat mit hochbusigen Kreuz-gewölben, deren Schildbogen noch den Rundbogen zeigen, über-wölbt worden. Die ursprünglichen, jetzt vermauerten Eingängebefanden sich auf der West- und Südseite.

So wenig anziehend die eben beschriebene Plananlage derKirche erscheint, so sehr interessirt der Bau, wenn man diestruktiven Eigenthümlichkeiten desselben näher betrachtet. Dieganze Anlage zeigt die seltene und hochalterthümliche Verbin-dung von Granit- mit Backsteinbau. Alle Aufsen- und In-nenmauern, Pfeiler und Säulen sind in Granitquaderbau herge-stellt und mit Rücksicht auf die beabsichtigte Ueberwölbung derSeitenschiffe von bedeutender Stärke angelegt. Die einzige Kunst-form, die im Innern erscheint, ist die abgeschrägte Platte, welchedie Kämpfer der Schiffsarkaden und des Chor- und Absisbogensbildet Fig. 5. Dagegen sind die Bogenformen selbst in derschlichtesten Weise künstlerisch zu charakterisiren versucht wor-den. Alle Bogen des Innern sind aus zwei Bogenschichten her-gestellt, von denen die untere 5 Zoll hoch aus Backsteinen, dieobere 15 Zoll hoch aus sorgfältig behauenen Granitquadern kon-struirt worden ist und welche beide, ursprünglich ungeputzt ne-beneinander stehend, mit den geputzten Wandflächen dem Innerneinen sehr ernsten Charakter verliehen haben müssen.

Auch im Aeufseren, soweit der alte Bau unverletzt geblie-ben ist, zeigt sich dasselbe Bestreben, den Granitbau mit demBacksteiiibau zu verbinden. So erscheinen die Fenster der Ober-mauern und der Hauptabsis mit Backsteinen eingefafst und mithalbkreisförmigen Bäcksteinbogen überdeckt. Das doppeltpfor-

tige Westportal, welches derHolzschnitt darstellt, ist wie-der wie die inneren Arkaden-bogen aus zwei Bogenschich-ten konstruirt, von denen dieuntere 5 Zoll hoch aus Back-steinen, die obere 15 Zoll hochaus behauenen Granitquadernbesteht. Gleiche Struktur zeigtein kreisrundes Fenster überdiesem Westportal.

Eine reichere Ausstattunghat die Hauptabsis empfangen Fig. 8. Ueber dem aus gut be-hauenen Granitquadern aufgeführten Unterbau ruht ein einfacherBogenfries, dessen Bogen aber nicht aus geformten Bogensteinen,sondern aus zugehauenen, horizontal gemauerten Mauersteinenhergestellt sind. Die mit rohen Masken geschmückten Konsolender Bogen, Fig. 1 sind ebenfalls nicht geformt, sondern nachdem Mauern aus den vorgekragten Steinen in schwachem Reliefherausgemeifselt worden. Alle diese speziell berührten so höchstcharakteristischen Eigenthümlichkeiten lassen keinen Zweifel, dafsder alte romanische Stiftungsbau aus der Mitte des XII. Jahr-hunderts noch im Ganzen wohl erhalten ist.

Ueber den Absisfenstern vertreten zwei Stromschichten denfehlenden Schmuck des Hauptgesimses und unmittelbar darübererhebt sich das aus Backsteinen construirte halbkegelförmige Dachder Absis. Da die Technik dieses Steindaches besser ist, alsdiejenige, welche an den eben beschriebenen alten Theilen desBauwerkes sichtbar ist, so darf man auf eine etwas spätere Her-stellung dieses Obertheiles der Absis schliefsen. Sehr wahr-scheinlich ist das Steindach nach einem der Brände von 1268oder 1282 in dieser feuersichern Construktion erbaut worden.In gleiche Zeit dürfte das Bruchstück eines Frieses der nördli-chen Obermauer zu setzen sein, welches Fig. 2 darstellt. Ob der

12