Fig. 3, 4, 8 u. 9 dargestellt, zeigt den ausgebildeten Typus einerdreischiffigen Basilika mit hervortretendem oblongen Chor nebstAbsis und zwei plattgeschlossenen Seitenschiffen. Ein sehr schma-ler aber breiter Thurmbau in der Form eines westlichen Quer-hauses vervollständigt die gut erhaltene Bauanlage. Bemerkens-werth ist zunächst die Stützenbildung unter den Schiffsarkaden.Die auf jeder Seite zweimal auftretenden Kreuzpfeiler wechselnkorrespondirend mit viereckigen Pfeilern, stämmigen Säulen undachteckigen Pfeilern. Der durch den Holzschnitt mitgetheilte
' Querschnitt zeigt dieübrige, höchst ein-fache Struktur desInneren, für welchenur das Tonnenge-wölbe über demChore statt des sonstüblichen Kreuzge-wölbes hervorzuhe-ben ist.
Der nördlich ne-ben dem Chore be-findliche kleine An-bau ist ursprünglichund diente von jeherals Sakristei. Dasuntere Gescliofs des Thurmes ist mit drei scliarfgratigen Kreuz-
gewölben überdeckt.
Die Aufsenfa^aden zeigen wieder den Formentypus,, welchendie Klosterkirche von Jerichow in Fenstern, Portalen, Lissenenund Friesen aufgestellt hatte. Einen, der letzteren stellt Fig. 9dar, während Fig. 8 das mit reducirten Kunstformen verwendetetrapezschildige Kapitell der beiden Säulen andeutet. Die Kirchebewahrt noch den romanischen, einfach und schwerfällig profi-lirten sandsteinernen Taufstein.
Das Format der Backsteine beträgt an der Westfront 10|—10f Zoll, 4|—4| Zoll, —31 Zoll, dagegen an der Absis lOj— 10J Zoll, 4i—5 Zoll und 3^ Zoll, so dafs keine wesentlicheVeränderung in den Dimensionen sichtbar wird.
Der ganze Bau ist allen Kennzeichen zufolge nach einemPlane und zu einer Zeit erbaut. Dabei ist es von besonderemInteresse, diese Bauzeit nach dem gesicherten Wortlaut der auf-gefundenen Weihungsurkunde angeben zu können. Die Weihungerfolgte zu Ehren von St. Maria und St. Willibrordus ') im No-vember des Jahres 1212 durch Bischof Sigebodo von Havel-berg 2 ). Da nun Schönhausen seit langer Zeit (schon nach derStiftungs-Urkunde) zum Bisthum Haveiberg gehörte, so ersieht -man wie lange es dauerte, bis diese Dörfer mit Gotteshäusernvon Seiten des Stiftes ausgestattet werden konnten. Auch istes nicht unwichtig daran zu erinnern, dafs die Nebenchöre derKlosterkirche von Jerichow ebenso gegliedert und überwölbtsind (nämlich mit Tonnengewölben), wie hier der Chor unddafs man. um so mehr berechtigt ist, die oben angegebene Bau-zeit von 1200—1210 für Krypta, Hauptabsis und Nebenchörein Jerichow festzuhalten.
Von den übrigen Landkirchen ist die des Dorfes Fischbeck,zwischen Jerichow und Schönhausen belegen, in dem Backstein-bau Norddeutschlands von Essenwein auf Bl. I, Fig. 2 in einerflüchtigen Skizze därgestellt worden. Es ist dabei nur zu bemer-ken, dafs Schiff und Thurm der mit Melkow sehr ähnlichen Kirchein sehr grofsen Backsteinen, der Chor aber in Granit mit Strebe-pfeilern erbaut ist. Der Backsteinbau zeigt schon reife Formenund mehrfach die allmälige Anwendung des Spitzbogens, so dafsfür diese Westtheile fast .die Mitte des XIII. Jahrh. anzunehmen
ist, während der Chorbau in noch späterer Zeit mit sehr gewöhn-lichen spitzbogigen Fenstern erneuert worden ist. Fischbeck
') Die Erwähnung von St. Willibrordus, dessen Verehrung seinen Ilauptsitz am Nieder-Rhein und Holland hatte, dürfte wieder für die niederländischen Kolonien sprechen.l ) Riedel, Cod. dipl. III. S. 340.
gehörte übrigens seit 1165 dem Kloster Jerichow, ebenso wieKlietz seit 1150 und Wulkow seit 1144. Die. Kirche des letzterenDorfes wird schon vor 1172 genannt und ist zwischen 1160 und1172 erbaut worden. Dieselbe besteht aus fast quadratförmigemSchiff, schmalerem Chor und halbrunder Absis. Der Thurm vongleicher Breite mit der Kirche ist 51 Fufs hoch. Die gesammteFatj'adenbiklung entspricht der angegebenen Bauzeit.
VI. Klosterkirche zu Krewese.
Historisches.
Die erste Erwähnung von Krewese findet sich als VillaKribci im Jahre 956 in einer Schenkungsurkunde König Otto I.an die Abtei Quedlinburg 1 ). Dann verschwindet der Name ausder Geschichte, um zwei Jahrhunderte später als die Lokalbe-.Zeichnung für ein Kloster hervorzutreten. Im Jahre 1157 warWerner, der älteste Sohn des Grafen Werner III. v. Osterburg,bei der letzten Belagerung und Eroberung Brandenburgs durchAlbrecht den Bären, unter den Augen dieses seines Oheims ge-fallen. Der frommen Denkart jener Zeiten gemäfs,- beschlofs dertiefbekümmerte Vater zum Seelenheile des Sohnes, eine Kloster-stiftung auf seinen Erbbesitzungen einzurichten, und wählte hierzueine Stelle des Waldes in der Nähe des Dorfes Zerwest, Kreuestoder Krewese, wo ein kleines Marienbild gefunden worden war.Das St. Maria geweihte Kloster empfing deshalb den Namen Ma-rienthal und wurde für Benediktiner-Nonnen bestimmt. DerReichthum des Grafen von Osterburg, welcher der Familie derEdlen von Veltheim angehörte 2 ), und die nachdrückliche Unter-stützung, welche Markgraf Albrecht, als Schwager des Stifters,sicherlich eintreten liefs, förderten die Stiftung so sehr, dafs Al-brecht dieselbe schon 1160 bestätigen konnte 3 ). Ein zweiterSohn Werner III., Heinrich, der auch als Erbauer der Pfarrkir-chen zu Osterburg, Kalberwisch 4 ) und Königsmark von Entzeltgenannt, aber in Urkunden nirgends erwähnt wird, soll die neueStiftung mit grofsen Schenkungen bereichert haben. Die wesent-lichste Unterstützung ist aber jener Angabe nach dem Klosterdadurch zu Theil geworden, dafs der kinderlose Graf Siegfried,ein Enkel Werner III., nach dem Tode seiner .Gemahlin ein Drittelseiner Allodialbesitzungen dem Konvente übergab. Er soll auchnach freiwilligem Abbruch seines Stammhauses Osterburg 1208das Kloster noch herrlicher gebaut haben, und ist 1242 als derletzte seines Stammes gestorben. Im Jahre 1268 wurde dasKloster von einer Nonne angezündet, welche ihre Brüder, dieGeldberge genannt, mit Gewalt zuin Eintritt gezwungen hatten.Auf der Flucht aus dem Kloster wurde sie ereilt und von demeinen der Brüder an einem Orte, wo noch im XVI. Jahrhundertein Kreuz stand, erstochen. Die Brüder mufsten nach der Thatdas Land räumen und die eingezogenen Besitzungen wurdenzum Neubau verwendet. Bald darauf, 1282, brannte das Klostervon Neuem ab und wurde mit Hülfe des Markgrafen Albrecht III.und seiner Gemahlin wieder erbaut. Reiche Schenkungen wid-mete sodann Beatrix, Tochter Ottokars v. Böhmen und WittweOtto III. im Jahre 1289, und gleiche Benefizien erwies 1319 Her-zogin Anna v. Breslau, Gemahlin des Markgrafen Hermann, dem'Kloster.
In Folge so hoher Gönnerschaft erreichte Krewese im An-fänge des XIV. Jahrhunderts eine grofse Blüthe, so dafs derKonvent in jener Zeit aus 80 geweihten Nonnen bestand. Aber
*) v. Raumer Reg. 176.
s ) Zwischen 1160 und 70 verwandelt sich in den Urkunden der Name Werner v. Veltheimin Graf Werner v. Osterburg, so dafs man annehmen darf, dafs die Verlegung des Wohn-ortes und die Errichtung eines neuen Stammsitzes Osterburg zwischen jenen Jahren statt-gefunden hat.
3 ) Urkundliche Angaben über die Stiftung wie die ferneren Schicksale des Klosters fehlen,da der Urkundenschatz des Konvents verloren gegangen ist; doch hat Entzelt, Pfarrer zuOsterburg, dessen Pfarrkirche zum Patronat von Krewese gehörte, jene Urkunden 1578 wahr-scheinlich noch benutzen können und seine Mittheilungen über Osterburg und Krewese ver-dienen um so mehr Berücksichtigung, als die baugeschichtliche Untersuchung der betreffen-den Bauwerke alle seine Angaben bestätigt.
4 ) Entzelt, Chronik der Altmark. Ausg. v. Ammersbach 1684. S. 61 ff.