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so sehr den Besuch entzogen, dafs Friedrich I. von Hohenzol-lern sich 1435 veranlafst fand, um dem altehrwürdigen Gottes-hause neue Würde zu verleihen, ein besonderes Kapitel bei derKirche mit täglichem Gottesdienste zu stiften. In der darüberausgefertigten Urkunde *) sagt der Kurfürst ausdrücklich, dafsdie Kirche „von dem hochgebornen Fürsten, Herrn Heinrich*),vormals der Wenden König auf dem Harlunger Berge zur Ehreund zur Würde der hochgelobten Königin Maria erbaut seiund dafs genannte Königin an derselben Stätte viel grofse Gnadeund Wunderwerke gethan habe und noch thue etc. . . . dafs esaber an der hochgelobten Stätte u. 1. Frau mit ihrem Lobe bis- ;her so gar geringe bestellt gewesen.“ Zu diesem Zwecke wur-den besondere Klostergebäude auf der Ost- und Nordseite derMarienkirche aufgeführt und dieselben mit Prämonstratenser ;Stiftsherrn aus dem Dome besetzt.
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Friedrich II. (Eisenzahn) verlieh aber, den Bestrebungenseines Vaters folgend, dem Marienberge eine nochmalige beson- !dere Berühmtheit, indem er 1440 eine Gesellschaft oder Brüder- jschaft unsrer lieben Frauen (nach ihrem Ordenszeichen auchSchwanenorden benannt) stiftete und die Marienkirche zum Mit-telpunkte derselben machte. Diese Gesellschaft 2 ) hatte zunächstzum Zwecke, „unter seinem Adel und den Hofleuten Gottesfurcht ;und redlichen Sinn zu verbreiten und ein Band der Liebe zwi-schen den von seinem Vater gebändigten Märkischen Vasallenund dem neuen Fürsten zu knüpfen“. Die Mitglieder waren ver-pflichtet, die Festtage u. 1. Frau würdig zu feiern, den ArmenAlmosen zu reichen und gegenseitig sich treulich beizustehn.Alle Quatember mufste ein Beitrag an das Marienkloster auf demBerge eingesendet werden, wie auch die Mönche viermal jährlichder verstorbenen Ordensmitglieder öffentlich mit Gebet zu ge-denken verpflichtet waren Zu diesen Gedächtnifstagen mufstendie Gesellschaftsmitglieder mit den Ordensinsignien erscheinenoder einen ehrbaren Stellvertreter senden 3 ). Die Ordenszeichendurften bei dem erfolgten Tode eines Mitgliedes von den Ange-hörigen nicht behalten werden, sondern mufsten an den Propstauf dem Berge zurückgegeben und auch dafür gesorgt werden,dafs das Wappen des Verstorbenen mit dem Ordenszeichen ver-sehen gemalt und zum Aufhängen in die Marienkirche, eingesen-det wurde. Zur würdigen Feier dieser Gedächtnifsfeste undOrdenstage mufs um 1440 die zweigeschossige Kapelle an diealte St. Marienkirche angebaut und mit derselben verbunden wor-den sein. Der untere Theil (Krypta?) dieser Ordenskapelle wurdedem heiligen Leonhard geweiht, und in ihr befanden sich Gräber !von Ordensmitgliedern, besonders der Edlen von Waldenfels, die1469 Schlofs Plaue besafsen 4 ). Durch das Ansehen seines Stif-ters und durch die gesteigerte Marien Verehrung erlangte derSchwanenorden in kurzer Zeit eine so weite Verbreitung, dafsschon 1459 ein neuer gottesdienstlicher Mittelpunkt zu Anspachfür die süddeutsche Zunge und ein eben solcher in der Schlofs-kapelle zu Königsberg 1511 für die preufsischen Ritter gestiftetwurde. Dennoch und trotz vieler Bereicherungen, welche demStifte zu Theil wurden, war der neue Glanz, der den HarlungerBerg und die Kirche umgab, von keinem langen Bestände.Schon am Anfänge des XVI. Jahrhunderts hatten solche Stiftun-gen sich überlebt; die Reformation nahm ihnen vollends jedenBoden. Wenn auch die zahlreichen Besuche des Berges durchgröfsere Volksmengen an dem Tage von Mariä Geburt und St. iMichael noch fortdauerten, wie die Urkunde vom J. 1496 be- jweist, so hob doch Joachim II. schon 1539 das Stift auf demBerge auf; die Mönche zogen fort, die Klostergebäude verfielen,die Kirche selbst wurde 1551 dem Domkapitel übereignet. Nun :war die Zerstörung nicht mehr aufzuhalten, die Glasgemälde,Altarbilder, Mefsbiicher, Chorstühle, Ordensschilder verschwan-den spurlos, nur die Glocken wurden gerettet. Bis nach dem |Jahre 1586 bewahrte die Kirche ihr Dach, später, kurz vor dem 1
*) Heffter, Gesch. d. St. Brandenburg. 262.
*) Der spätere christliche Name des Pribislav.
a ) Vergl. Frlir. v. Stillfried -Rattonitz, der Schwanenorden. 3 ff.
s ) v. Stillfried. 7 ff.
4 ) Riedel, a. a. O. X. 10.
Ausbruche des dreifsigjährigen Krieges, erscheint sie desselbenberaubt und die Gewölbe dem Unbill der Witterung preisgege-ben. Dennoch erhielt sich ohne allen Schutz der treffliche Baubis zum Jahr 1722, wo König Friedrich Wilhelm I. trotz derBitten und Gegenvorstellungen des Raths zu Brandenburg aufVeranlassung eines Obersten Pieny die Kirche abbrechen liefs,um die Steine zum Bau der Potsdamer Waisenhäuser zu ver-wenden. Der Abbruch dauerte 1} Jahre und der Werth dergewonnenen Steine stand in keinem Verhältnifs zu den daraufverwendeten Kosten. Brandenburg aber, und man kann wohlsagen Norddeutschland, war um eins der ältesten und interessan-testen Baudenkmale ärmer.
i Baubeschreibung.
; Die Quellen, auf welche die hier folgende Baubeschreibung
sich stützt und deren wuchtigste hier zum ersten Male veröf-i fentlicht wird, bestehen:
1) in dem 1722 auf Veranlassung des Directors der Ritter-Akademie zu Brandenburg Chr. Heinss angefertigten Modelleder Kirche, welches jetzt im Dome aufbew r ahrt w r ird;
2) in dem von demselben Manne verfafsten Programme desJahres 1752, worin nebst einer kurzen Beschreibung derMarienkirche auch der Grundrifs und ein Prospect mitge-theilt ist. Er selbst sagt darin wörtlich: „Einige Jahrevor dessen (sc. Tempel) völliger Zerstörung triebenmich die Ermahnungen des Märkischen Geschichtsschrei-bers Leuthinger an, diese in 800 Jahr gestandene Marien-kirche durch eine genaue Ausmessung und Verzeichnungder Vergessenheit zu entreifsen, mithin den künftigen Ein-wohnern dieser Stadt und andern Freunden der Alter-thümer das Andenken derselben zu hinterlassen;“
3) in einer Darstellung der Kirche auf einem Oelgemälde inder St. Godehardkirche mit dem Meisterzeichen g ^ TL.welches aber, da die Kirche als nebensächlich behan-delter landschaftlicher Hintergrund erscheint, nur den Werthder ältesten Darstellung besitzt;
4) in eben solcher nur viel mangelhafterer Darstellung vomJahr 1625 auf zwei andern Oelgemälden im Rathhause undder Dechanei;
5) in 7 Stück gravirten Kupferplatten verschiedener Gröfse,welche den Situationsplan der Stadt, den ad 2. erwähntenGrundrifs und Prospect, den hier Bl. II, Fig. 1, zum erstenMale veröffentlichten Längendurchschnitt, zwei Geschmeide-halsketten des Schwanenordens, den Gott Triglav, sowieendlich mehrere Wappen mit Buchstaben darstellen*). Diesehöchst werthvollen Kupferplatten, w r elche Heinss für eineausführliche Herausgabe der Marienkirche und ihrer Schwa-nenordenskapelle nach eigner Aufnahme der Kirche vordem Abbruche hatte anfertigen lassen, werden jetzt auf derBibliothek des Gymnasiums zu Brandenburg aufbewahrt;
6) in einer in Deckfarben sehr sorgfältig auf Papier gemaltenPerspective der Kirche, nebst dem Grundrisse, welche sichim sogenannten reichen Kloster St. Paul befindet und eineOriginalzeichnung für die publicirte Darstellung des Pro-gramms von 1752 ist;
7) in einigen mehr oder weniger brauchbaren Originalzeich-nungen auf der oben genannten Bibliothek, von denen abernur eine grofse Grundrifszeichnung wirklichen Werth hatund möglicher Weise eine der Aufnahmezeichnungen desHeinss ist**).
Nach vergleichender Prüfung dieser vorhandenen Quellen istdie auf den Blättern I. und II. gegebene Darstellung der St.Marien-Kirche angefertigt worden. Bl. I. Fig. 1. giebt die redu-cirte perspectivische Ansicht der Kirche vom Jahre 1586 nach
*) Sämmtliche bisherige Publicationen lassen sich auf die ad 1. 2. 3. angegebenenQuellen zurückführen. Keine derselben, weder Minutoli’s noch Kallenbach’s noch v. Still-fried’s, gewährt eine richtige Vorstellung oder erreicht an Zuverlässigkeit die erste Bekannt-machung des Heinss von 1752.
**) Was die Aechtheit und Zuverlässigkeit dieser benutzten Hülfsmittel betrifft, so wirdwohl an eine beabsichtigte Fälschung seitens eines Mannes wie Heinss, der nur aus Ach-