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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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wurden in jener Zeit die Thore, das Steinthor und das Mühlen-thor erneuert und die Rathhäuser beider Städte theils um- theilsneugebaut. Damit, wie mit der. Herstellung kleiner Kapellen beifrommen Stiftungen, wie St. Jakobskirche vor dem Steinthore,waren aber die baulichen Bedürfnisse vollständig befriedigt. Wennauch noch ferner durch die Bemühungen einzelner Fürsten kirch- ;liehe Institute von Neuem gegründet oder alte wieder belebtwurden, und hin und wieder eine Bauthätigkeit, wie auf dem jjHarlunger Berge durch die Erbauung der Schwanenordenskapelle iersichtlich wird, so ist von einem lebendigen Fortschritte inkünstlerischem Sinne nicht mehr die Rede. Das früher herr-schende ernste Streben nach einheitlicher Schönheit geht ebenso |mehr und mehr verloren, wie der Sinn für gute Verhältnisse und ;;die liebevolle Behandlung der Kunstformen entschwinden. Nurdie erworbene handwerksmäfsige Technik wird noch lange be- |wahrt und äufsert ihre spielend sichere Behandlung der compli-cirtesten Constructionen des Deckenbaues, wie in den Gewölben jjder Kapelle St. Peter auf der Burg 1521. Damit waren alle jBauformen erschöpft; das Mittelalter hatte seine Zeit erfüllt.Durch die Reformation erwuchsen neue Aufgaben auf andern jGebieten, und so blieb für die Brandenburgischen Städte kaum |jetwas anderes übrig, als die überkommenen Bauwerke zu erhal- iten. Dies haben sie zu ihrer Ehre sei es gesagt . bis jetzt jjin ausgedehntestem Sinne gethan*) und dadurch für erneutes Stu-dium des Backsteinbaues die wesentlichsten Hülfsmittel geboten. I

I. Kirche St. Maria auf dem Harlunger Berge vor der Altstadt

Brandenburg.

Historisches. |

Der grofse Slavenaufstand von 983 *), welcher das durchOtto I. begründete Christenthum in den Gegenden östlich vonder Elbe völlig ausrottete, führte auch die slavischen Götter wie-der zu ihren alten Heiligthümern zurück. Der Harlunger Berg .wurde dem Dienst des Triglav ebenso von Neuem geweiht**), jjwie der Domberg zu Havelberg dem Gerovit 2 ). Anderthalb Jahr-hunderte später wird auf derselben Stelle ein Tempel des Triglaverwähnt, dessen Baulichkeit (Contina) wohl dem zu Stettin be-findlichen Heiligthume gleichen Namens, von welchem Bischof ä j

Otto-von Bamberg eine Beschreibung erhalten hat,.ähnlich zu |

denken ist. Ein Plankenzaun umgab den hölzernen Tempel, um i !

das Heiligthume vor dem Zutritt Profaner zu schützen und den j

ganzen Platz als Asyl zu bezeichnen. Aufserhalb der Umhegung jj

lagen im Schatten alter Bäume, die solche Heiligthümer stets j

umgaben, die Begräbnifsplätze der Priester und Fürsten***). Die- |

ser Tempel ist es nun von dem uns übereinstimmend berichtet wird,dafs der letzte slavische Fürst Pribislav bei seiner Christwerdung1136, das Götzenbild des Triglav entfernt ( destruxit ), d. h. derVerehrung entzogen 3 ) und den Tempel selbst der Jungfrau Mariageweiht hatf). Ebenso glaubwürdigen Berichten des Brotuffiuszufolge ist er in der von ihm erbauten Kirche 1142, wie seine ;Gemahlin Petrussa etw r as später, begraben worden, nachdem er . i;bereits früher seine Vorfahren daselbst hatte bestatten lassen. Eswaren dies seine Eltern Meinfried und Cythava sowie die Brüderseines Vaters, Hermann und Siegfried. Diese Mittheilungen stützensich einmal auf zeitgenössische Berichte, andrerseits auf die bis

*) Von sämmtliehen mittelalterlichen Bauwerken in Brandenburg sind mit Ausnahmeder auf hühern Befehl abgebrochenen Marienkirche nur drei Thorthürme und eine kleineKapelle verschwunden, eine Thatsache, welche für den erhaltenden Sinn der Bewohner das jbeste Zeugnifs ablegt.

*) Ditmarus. Lib. III. p. 345 edit. Leibnit.

**) Ueber den Namen Triglav vergl. Grimm, Myth. 3. Ausg. S. 46. Bekannt istunter den alten Preufscn die Bocksheiligung (Luc. David 1, 87. 98). Der slavische Gott.Triglav wird mit drei Ziegenhänptem vorgestellt. Daselbst Nachträge S. 1215. Auch !Pegam hat im krainischen Lied drei Köpfe (tri glave). ;

2 ) Sifridi, Vita S. Ottonis ap. Ludewig. 495. a. a. O. 680. [

***) Noch jetzt sind auf dem höchsten Gipfel des Harlunger Berges Begräbnifsstätten |

vorhanden, von denen ich bei einer Ausgrabung viele Urnenscherben der glänzend schwär- \zen, sehr feinen, mit Glimmerblättchen gemischten Art erhielt. j

3 ) Chronic. Brandenburg, ap. Mader. in Antiq. Brunsvic. p. 274-

t) Des hölzerne Götzenbild des Triglav ist dann bis zum Jahre 1526 in einer Seiten-kapelle aufbewahrt und in jenem Jahre mit Erlaubnifs des Kurfürsten von dem vertriebe- :nen Dänenkönige Christian II. hinweggenommen worden. |

nach der Reformation in der Marienkirche erhaltenen Grabsteinedieser Fürsten, deren Inschriften Sabinus uns erhalten hat 1 5 ). Mandarf daher mit Recht schliefsen, dafs slavische Fürsten, denendie Geistlichkeit ein Grab in einer christlichen Kirche verstattet,entweder wirklich getauft oder im Geheimen christlich gesinntgewesen sein müssen. Das letztere ist das Wahrscheinliche, dennPribislavs Vater Meinfried, war 1126 wegen der Hinneigungzum Christenthume von den Seinigen getödtet worden und Pri-bislav hatte Jahre lang alle Gebräuche des He.identhums beob-achtet.

Der Bau der St. Marienkirche durch Pribislav um ca. 1140hatte also ebenso sehr den allgemeinen Zweck, einen uraltenKultusplatz dem heidnischen Gottesdienst dadurch zu entreifsen,dafs alle heiligen Feste, Zusammenkünfte, Wallfahrten etc. an einchristliches Ileiligthum angeknüpft wurden, als die besondereAbsicht, seinen Vorfahren, wie sich selbst eine gesicherte Grab-stätte zu bereiten und dadurch der himmlischen Gnade besom-ders theilhaftig zu werden. Was Pribislav mit der Erbauungbeabsichtigt hatte, geschah. Ihm, wie den Seinen, blieb zu allenZeiten die ungestörte Ruhe des Grabes, und die alten festlichenZusammenkünfte des Volkes galten demselben heiligen Berge,aber nun nicht mehr den alten Göttern, sondern in steigenderVerehrung der Himmelskönigin Maria. Die Erinnerung ah diesedoppelte Bestimmung ist während des ganzen Mittelalters leben-dig geblieben und hat dieser Kirche einen ihre Zerstörung über-dauernden Ruhm verliehen. Nach dem Tode Pribislavs kam dieMarienkirche ( ecclesia oder capella sanctae oder beatae Mariaerir(jinis) erblich an die Markgrafen, von denen Otto I. sie an dasPrämonstratenser Domkapitel auf der Burg verschenkte 2 ). Seitdemwurde sie von da aus durch die Stiftsgeistlichen desselben gottes-dienstlich besorgt, wie aus der Urkunde von 1195 3 ) hervorgeht, inwelcher als Zeuge ein gewisser Walter, sacerdos in llarlungate genanntwird. Später hat das Kapitel bei der stets wachsenden Verehrung derMaria in der Mark und dem sich mehrenden Zudrange von Wall-fahrern und Gläubigen nach dem Marienberge hin die bedeutend-sten Einnahmen gehabt, weshalb denn 1355 Kapelläne ( rectoresecclesiae ) genannt werden 1 ), die an bestimmten Tagen auf demBerge verweilen und den Gottesdienst abhalten mufsten. Aber umdas Jahr 1362 scheint das Stift durch die plötzlich nach dem DorfeNykamer bei Nauen aufkommenden Wallfahrten in seinen Ein-künften so geschmälert zu .sein, dafs auf besonderen Antrag derBischof sich genöthigt sah, der Pfarre zu Nykamer eine Theilungder Einnahme mit dem Domkapitel zu befehlen. Aus den be-treffenden Urkunden *) geht unzweifelhaft hervor, dafs die Ma-rienkirche seit alten Zeiten her durch ganz Deutschland berühmtund eben so sehr besucht war.

Wie der Gottesdienst für die Kirche auch in Bezug auf dieübrigen Kirchen der beiden Städte Brandenburg in der Folgegeordnet war, davon redet die Urkunde bei Riedel, IX. 79. ff.Gleichermafsen werden die feierlichen Prozessionen 6 ) von derBurg und den beiden Städten aus erwähnt, vornehmlich am Mitt-woch in der Pfingstwoche 7 ). Selbst Pilgerfahrten aus der wei-ten Ferne wurden um des Ablafses willen nach der Kirche unter-nommen 8 ). An mehr als 30 Tagen im Jahre war hoher feier-licher Gottesdienst; an 25 besonders genannten Tagen wurdeöffentlich von den Dominikanern, Franziskanern und Prämon-stratensern gepredigt, welche sich in die Predigttage getheilthatten 9 ). Aber die unruhigen Zeiten der ersten Hälfte desXV. Jahrhunderts, besonders der Kampf der Hohenzollern mitden Quitzows, endlich der ungeheure, fast europäische Zulaufder Wallfahrer nach dem Wunderblute zu Wilsnack, welcher1383 begann, hatte dem Harlunger Berge und der Marienkirche

') Vergl. Helft er, Geschichte der Stadt Brandenburg. 71.

2 ) Riedel, A. VIII. 107.

3 ) Riedel, a. a. O. VIII. 122.

4 ) Riedel. IX. 50.

5 ) Gercken, Stiftshist. 574.

") Riedel, a. a. O. VIII. 410.

7 ) Riedel, a. a. O. IX. 79 und X. 424.

8 ) Riedel. B. III. 339.

») Riedel, A. IX. 79.

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