einen objectiven Standpunkt für die Beurtheilung derselben sowie eine genaue Einsicht in die Bedingungen, denen dieEinzelheiten ihre Existenz verdanken, zu gewinnen. Dabei konnte und mufste die Rücksicht auf praktische Nutzbar-keit vorherrschend bleiben. Zu diesem Behüte sind dem Werke übereinstimmende Maafsstäbe zum Grunde gelegtworden. Sänuntliche Grundrisse sind in einem Maafsstabe von ^ die Fa^aden und Durchschnitte (je nach ihrem In_teresse) ^ oder endlich alle Details ^ der natürlichen Gröfse aufgetragen worden*). Nur wo besonders werthvolleKunstformen oder komplicirte Constructionen dargestellt werden mufsten, ist — aber nur in seltenen Fällen — hiervonabgewichen und ein noch gröfserer Maafsstab gewählt worden. Diese Consequenz, welche das Studium zusammenge-hörender Bauwerke wesentlich erleichtert und die Gröfsenverhältnisse des Raumes besser einprägen hilft, wird wie ichhoffe allgemeine Billigung finden.
Wenn aber für die Darstellung des mittelalterlichen Backsteinbaues die Monumente selbst als Ausgangspunktgenommen wurden, war eine Betrachtung derselben vom kunsthistorischen Standpunkte eine unabweisbare Nothwen-digkeit. Von der einen Seite hätte sich eine bald wiederholte Publication schwer ermöglichen lassen, andrerseits würdeeine Vernachlässigung dieses Gesichtspunktes mit Rücksicht auf die lebhafte kunsthistorische Thätigkeit, namentlichin den österreichischen Staaten als ein Vorwurf auf dem Verfasser gelastet haben. Mit Rücksicht auf die besonderenSchwierigkeiten einer gleichmäfsigen Behandlung so verschiedener Gesichtspunkte wurde der Entschlufs, auch diekunsthistorische Seite der Bauwerke möglichst gewissenhaft festzuhalten, erst nach langer Ueberlegung gefalst, unddas Erscheinen des Werkes selbst um mehr als ein Jahr verzögert. Die hier veröffentlichten, aus selbstständiger Un-tersuchung und unter Heranziehung aller litterarischen Hülfsmittel gewonnenen Resultate gebe ich, weitere Prüfungund Feststellung von kompetenter Seite erwartend, als einen bescheidenen Beitrag zur Aufklärung der deutschen Archi-tekturgeschichte.
Was den Plan des Werkes betrifft, so wird es, um die provinzialen Eigenthümlichkeiten der Bauwerke bestimmterabzugrenzen, geographisch fortschreiten und zuerst die Mark Brandenburg nebst der Altmark, dann die Neumark undSchlesien, ferner Pommern und endlich Preufsen in den wichtigsten Monumenten zur Erscheinung bringen. Nebender Mittheilung des eigentlichen Backsteinbaues, sollen .auch wichtige kleinere Kunstwerke, besonders solche, welchepraktischen Werth haben, in Holzschnitten der Sammlung einverleibt und durch angehängte chrönographisclie Tafelndem Werke eine übersichtliche Darlegung der gewonnenen Resultate hinzugefügt werden.
Schliefslich bleibt mir die werthe Pflicht, allen den geehrten Männern, welche an der Spitze der Entwicklungunseres Bauwesens stehen, für ihre wohlwollenden Bemühungen, ohne welche eine so baldige Publication nicht zuermöglichen gewesen wäre, meinen aufrichtigen und ergebenen Dank auszusprechen.
So möge denn diese mit Ernst und Freudigkeit unternommene Arbeit der Theilnahme der Fachgenossen wiedem Urtheile kompetenter Kunstkenner bestens empfohlen sein, und den Nutzen stiften und fördern, den der Verfasserbei ihrer Veröffentlichung im Auge gehabt hat.
Berlin, im März 1859.
F. Adler.
*) Nur bei der Darstellung der St. Marienkirche auf dem Harlunger Berge, Blatt I u. II, ist hiervon abgewichen worden, weil es darauf ankam, aufgefundene Zeichnungen inFacsimile mittheilen zu können.