376
großen Kälte nicht beiwohnen wollten, mit dem Segen ent-lassen würden." Ich besann mich, und erwiederte dann:„Damit ich nicht eigensinnig erscheine, laß ich mir das indiesem Falle gefallen." „Das 'ist gut," sagte der Oberst,„das wird auch dem Könige recht sein. Ucbrigens war der-selbe, wie immer, freundlich, ruhig und gelassen, und Er hatmir den Austrag gegeben, Ihnen zu sagen, daß Sie morgenMittag bei Ihm speisen möchten."
Der Sonntag kam, und es war noch ebenso kalt. DerKönig und der Hof war in der, wie gewöhnlich, vollenKirche, und Alles, auch das erste Garde-Regiment, welchesKirchen-Parade hatte, in Mäntel gehüllt. Als ich nach derLiturgie diejenigen, welche wegen der strengen Witterung derPredigt nicht beiwohnen wollten, mit dem Segen entlassenhatte, gingen alle Soldaten heraus, aber die Civilisten alle,selbst das zartere weibliche Geschlecht, ja die Kinder, bliebensitzen. Der König hatte geglaubt, sie würden Alle gehen,und Er war, zu sehen, wie es sich machen würde, der Letzte,welcher vor der Predigt die Kirche verließ. „Das habe ich,"sagte Er nach Tische ungemein freundlich und wohlwollend,„nicht gedacht. Es freut mich, daß man auf die Predigt soviel hält und sie gern hört; aber unmöglich kann ich sie fürwichtiger erklären, als die Anbetung in der Liturgie. DieKirchen-Paraden kann man nicht abschaffen, und die Leutesind, wenn sie lange in der Kirche gewesen, beim Antretenganz erstarrt. Deßhalb war ich der Meinung, wenn siedie Liturgie gehört, könne im Falle einer außerordentlichenKälte die Predigt wegfallen. So, wie Sie es heute ge-macht, ist es aber besser, und es wird so dem evangelischenGottesdienste sein volles Recht. Die Herren Civilisten und