64 So mag man noch im Alter liebem
werde munter und gesprächig, und wenn sie mich be-klagt, so verwandelt sich der verstockteste Gram in ge-duldiges Leiden.
Eine bessere Arzeney für die Beschwerden des Alters,als die Liebe, kenne ich nicht. Das Alter ist von Naturkalt, die Leidenschaften, welche unser Herz in der Jugendaufschwellen, würben nur noch in die Füße, das Blutstockt in den verbeinerteu Gefäßen, die Nerven haben ihreleichte Reizbarkeit, und alles hat seinen Leu verlohren.Aber die Liebe bringt alles wieder in Gang, und erneuertdurch ihr sanftes Feuer die erkalteten Theile. IhreSchmeicheleysn sind doppelt kräftig, weil sie unerwartetsind, und das Verdienst derjenigen, die sich zu uns herab-läßt, wächfet in unfern Augen; wir gefallen uns vonneuem, und zu einer Zeit, wo wir niemanden mehr zugefallen glaubten. Dieses Gefallen an uns selbst giebtuns gleichsam eine neue Seele, und erzeugt einen Stolz,der dem Zittern widersteht, und das Fieber abwehrt, wasuns sonst, wenn wir einmal den Math verlieren, minderrüstig findet.
Das alles, mein Freund, erwarte ich von meinerLiebe; und ich darf sagen, daß ich ihr noch ein mchrereszu verdanken habe. Ein Zug vom Geize mischte sich inmeine Ausgaben; ich floh die Menschen als falsch undflüchtig; ich ward mürrisch und andern überläsiig; ichvemachläßigte den Wohlstand, tadelte jede Freude, littmit Ungeduld, schwieg, wenn ich reden konnte, und er-zählte, wenn mich niemand hören wollte. Das alles hatsich verlohren, und die Begierde, zu gefallen, hat michso aufmerksam gemacht, daß ich fast alle Fehler des Altersvermeide. Selbst die Jugend, welche doch sonst ein aus-schließliches Neckt auf alle Freuden der Schöpfung be-hauptet, «ick Heu verliebten Asten sogern das Grab zeigt,
erhält