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3 (1804) Patriotische Phantasien, Th. 3
Entstehung
Seite
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Die arme Tante Lore. 61

Straßenränder zum Manne wählen, der bald an denGalgen kommen wurde.

Unser Pastor, ein würdiger Geistlicher, mit dein ichdie Sache mehrmals überlegt, glaubt, ich würde täglichin die Versuchung gerathen, mich zu versündigen, undbey jedem Verkruste, den ich litte, den Tod des Manneswünschen, wodurch ich in glücklichere Umstände gerathenkönnte. Eine Ehefrau, fügte er hinzu, Härte an ihremManne ihre Krone, und ihr Auskommen dnrch ihn; siekonnte durch seinen Tod nie glücklicher werden, als siewäre, wofern der Mann nicht so unvorsichtig gewesenwäre, ihr eine glücklichere Aussicht in die Zukunft zu ver-sichern, als sie gegenwärtig bey ihm genösse; wenn Kin-der vorhanden wären, so würde die Mnttcr die Erhal«tung des Vaters noch eifriger von Gott erflehen, und ihrGebet mit dem Gebete ihrer Kinder vereinigen; mithinsey es ganz etwas anders, wenn ein Mann für seine Frau,als wenn jemand für eine ledige Person in die Wittwen-casse setzte. . . .

Sehr richtig, antwortete ich ihm; aber wie gelangeich nun zu einer baldigen Wittwenpension? Dieses ist dieFrage. Hier zuckte er die Achseln und hustete aus vollerBrust, damit ich seinen Husten, den er bereits eine Zeit-lang gehabt, nicht für schwindsüchtig halten, und ihn umsein christliches Mitleiden ansprechen möchte. Das fühlteich so stark, daß ich mich der Thränen nicht erwehrenkonnte. Ich armes Kind! Sonst dachte ich, der Witt-wenstand sey so betrübt; so steht wenigstens in fünfzigTrauerbriefen, die ich gesammlet habe — und doch hältes so schwer, auch nur dem bloßen Namen nach, in diesenunerwünschten Stand zu kommen.

So viel sehe ich endlich wohl ein, daß der glücklichsteund ruhigste Weg, um zn einer Wittwenpension zu gelan-gen, für eine ledige Frauensperson dieser sey, sich einenMann zu wählen, der ihr im Leben so viel Gutes thm,

daß