5O Die Politik im Unglück.
bei,er Schilling das Herz mit einer großen Freude er-füllen könne. Jeder Augenblick, den ich mir zu Nutzemache, verschafft mir dieselbe, und ich laffe nicht vieleungenutzt vorüber. Die Ordnung, diese edle Freundindes Fleißes, macht alle diese kleinen Gewinne beständigsichtbar, und ich gefalle darinn mir selbst und meinen.Manne so sehr, daß wir uns nicht begegnen, ohneein-ander darüber etwas verbindliches zu sagen. Es wareine Zeit, wo ich mich wunderte, wie die Leute in nie-drigen Ständen, ohne Gesellschaft und Spiel, ohne Ope-ra und Comödie, ohne Lust fahrten und Lektüre einen Tagwie den andern zubringen könnten, da man doch bey je-nen großen Lustbarkeiten oft die größte Langeweile hätte,und ein herzliches Vergnügen sehr oft vergeblich suchte.Ich finde aber, daß der häusliche Trieb etwas zu erspa-ren und zu gewinnen, und von diesem Gewinnste mitOrdnung wohl zu thnn, die Quelle des reinsten, stillesteuund dauerhaftesten Vergnügens sey. Er erhält einen inbeständiger Beschäftigung, verbannet auch die kleinsteLangeweile, führet seine Belohnung fast immer mit sich,versüßt jede Mühe, erweckt und befriediget wahre Be-dürfnisse, schmeichelt einem auf die unschuldigste Art, undmacht jeden Morgen nach einem sorgenfreyen Schlafeheiter. Ein schöner Apfel und ein frisch gelegtes weis-ses Ey, ergötzet mich länger, als alle Schönheiten derNarnr aus dem Kasten der Dichter; und eine Nadel, dieich finde, macht mir eine kleine obgleich unvermerkteFreude. Jede Nach, die ich fertiggemacht habe, istfür mich eine Frühlingsblume, und dcr Bepfall, den ichdarüber von meinem Manne erhalte, ist die süßesteSchmeichele,). Nützliche Arbeiten geben zugleich mehrStoff zu Unterredungen, als alle Thorheiten der Stadt,und das unschuldige Spiel meiner Kinder nährt meineSeele mehr, als die beste Operette. Habe ich vollends
ein