Die Politik m Unglück.
X.
^Ich habe gestern den ganzen Abend mit unfrer guten A..philofophirt; es ist ein allerliebst vernünftiges Weib.Wir kamen auf die Scham, welche eine unglückliche Per-son in ihrer Erniedrigung insgemein empfindet, und aufdie falschen Mittel, die sie dann ergreift, um ihre Blasezu bedecken. Dieses, merkte ich wohl, war eine Lieb-lingsunterredung für sie, weil sie dadurch eine Gelegen-heit erhielt, den Plan ihres ganzen Betragens zu recht-fertigen; und Unglückliche, wie Sie wissen, thnn nichtslieber, als sich rechtfertigen. Ich will sehen, ob ich denSinn ihrer Worte wieder zusammenbringen kann; dennich wünschte Ihnen auch ein recht vortheilhastes Bildvon ihr zu machen. Wenn Sie Ihren Wagen zerbrechen,sagte sie zu mir, so machen Sie sich keinen Schimpf dar-aus, zu Fuße und auch wohl ein bischen durch den Kothzu gehen, wenn es nicht anders seyn kann; bleibt irgendein Schuh stecken, nun so vcrstehts sich, man geht sodannim Strumpfe, besonders wenn es kein Wetter ist, sichlange zu verweilen. Unterwegens erzählen Sie dannallen, die Ihnen begegnen, Ihr kleines Unglück, damitdie Leute nicht glauben mögen, Sie waren von den Leuten,die zu Fuße reifsten; sagen auch wohl zu sich selbst, daßSie dieses nur um deswillen thäten, damit man Sie nichtfür eine Landstreichern! ansehen möchte, die irgendwo miteinem Schuhe flüchten müssen; denn man will doch inseinen eignen Augen nicht gern eitel scheinen; und wennSie diese kleine Ceremonie mit sich und andern beobachtethaben: so schämen Sie sich Ihres Zustandcs, wenn Siein einem Schuhe zu Fuße gehen, nicht weiter. Diesesist nun gerade mein Fall auch; nur mit dem Unterschiede,daß meine Reife zn Fuße vielleicht etwas länger ist, undbesonders, daß ich die eitle Erzählung sparen kann. Dieganze Stadt weis meinen Fall; habe ich ihn verdient:
so