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3 (1804) Patriotische Phantasien, Th. 3
Entstehung
Seite
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Die Politik im Unglück.

eine etwas geschwindere Bewegung, wie man wohl zuhaben pflegt, wenn man eine ansbreehende Thräne in derGeschwindigkeit verbergen will. Ein reicher Kaufmannerstand die Hemden nnd wollte ihr ein Gescheut damitmachen. Allein sie wegerte sieb solche wieder anzunehmen,unter dem Verwände, daß sie sich künftig mit ganz andernbehelfen müßte. Bcpde wurden hierüber verlegen; derKaufmann, weil seine Gabe öffentlich verschmähet wurde,und sie, indem sie ans der plötzlichen Stille der ganzenGesellschaft merkte, daß man ihr diesen Stolz übel deu-tete. Sie, die es am ersten fühlte, überwand sich abergleich, und nahm das Geschenk unter der Bedingung an,wenn es ihr erlaubt würde, die Hemden wieder zu ver-kaufen, und statt derselben das Geld anzunehmen. DerStolz des Kaufmanns ward hiedurch sogleich ans die an-genehmste Art beruhiget; er nahm selbst ein Hemd nachdem andern, bot es den Anwesenden feil, und nun warkeine Dame, die nicht wenigstens ein Hemde vierfachbezahlte; für das schlechteste gab man hundert Mark.Hier konnte das edle Weib den Thränen nicht widerstehen ;diese allgemeine Theilnehmung an ihrem Unglück brachihr das Herz, und die ganze Gesellschaft gab sich die zärt-lichste Mühe, ihr etwas Tröstliches und Verbindlicheszu sagen. In meinem größten Glücke, erwiederte dierechtschaffene Frau, ist mir nie so sehr geschmeichelt wor-den, als heute. O Unglück, wie vieles lehrst du mich lund wie vieles habe ich dir zu danken!

In dem Taumel der Dankbarkeit und zärtlichen Em-pfindungen riß ich sie nach geschlossenem Verkauf mit fortin meinen Wagen, und brachte sie unvcrmuthet zur Ge-sellschaft, worinn sie vordem die erste Person gespielt hatte.Es schien ihr dieses zwar nicht angenehm zu sepn; jedochfand sie sich sogleich, und begegnete den jungen Herren,die sich mit einem neugierigen Ungestüm um sie ver-sammleten, mil einer unnachahmlichen Bescheidenheit.

Der