2S
Höchst romantisch sahen die Fischer aus in ihren Jacken und Strohü-ten, ein Fischernetz wie ein Zeltdach tragend.
Aecht gewerksmäßig erschienen die Lichtzieher, deren Lehrburjchen ingrünen kurzen Schürzchen mit einen Brustlatz einhergingen.
Reichhaltig und zum Thcil sinnreich waren die Embleme, welche aufStäben von einzelnen Zunstgenossen getragen wurden. Besonders zeich-neten sich in dieser Beziehung die Tischler aus. Alles was das Ge-werk fertigt und die Werkzeuge, mit denen es arbeitet, waren in zier-lichen Modellen da, von Schränken und Thüren herab bis zum Leim-töpschen, das der Lehrling über seinem Kopfe trug.
Halb imposant, halb burlesk erschienen die Sappeur- und Pionier-Reihen, mit Bärcnmützen und langen Bärten, in den Zügen der Mau-rer und Zimmerlcute.
Aber weßhalb sie das malerische Schurzfell unter den Röcken stattdarüber trugen, ließ sich nicht wohl erklären.
Manche komische Einzelnheiten erhöhten, ohne die Würde des Gan-zen zu schmälern, nur die mannigfaltige Lebendigkeit des Bildes. Sofreute sich Jedermann über die Figur eines Mannes, der vollkommen sodick als groß und überdieß märchenhaft klein war, dazu ein paar Prä-zelbeine ohne Gleichen und den Watschelgang eines Entrichs und dieSchulmeistermanier hatte; Niemand vermogte ihn ohne Lachen anzusehen,wenn er nun als Gewerkskommandeur mit dem gezogenen Degen, wiemit einer Haselgerte fuchtelnd, auf- und abtrollte. !
Wie kostbar Alles und wie theuer oft die Uniformen und Stickereienwaren, geht aus einzelnen Angaben hervor:
Den Kaufleuten kosteten die Uniformen ihrer Trompeter allein k600Thaler, jedes geliehene Pferd wurde an diesem Tage mit acht bis zehnFriedrichsd'or bezahlt, und ein reicher Schlächter gab für die Ehre, dieStandarte des Gewerks zu tragen, fünfhundert Thaler.