Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
10
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aber seine eigenen Acußernngen zum Maßstab nehme, wenn ich das ver-traute Verhältniß mit seinem würdigen Lehrer, der wahrlich kein Frömm-ler ist, in'S Auge fasse, so möchte ich weit eher auf das Resultat kom-men, daß der Kronprinz wahrhaft fromm sey, eine Eigenschaft, mit wel-cher man sich wohl leicht über unächte Frömmigkeit Anderer täuschenkann, die aber den eigenen Geist am sichersten vor einem ähnlichen Irr-wege schützt, und gewiß nicht zu denen gehört, die man bei einem künf-tigen Regenten zu fürchten hat.

Aber es scheint wirklich, daß man heut zu Tage nur den Prinzen,weder allgemeine menschliche Schwächen, noch Jugend, noch Jrrthumirgend einer Art mehr verzeihen will. Was uns betrifft, so wünschteich nichts sehnlicher, als daß recht viele unserer Edelleute unserer Bür-ger, den Söhnen unseres Königs gleichen, und z. B. dem Wissen unddem regen Geiste des Kronprinzen, der besonnenen Ruhe, Einsicht -undächt deutschen Biederkeit seines Bruders, des Prinzen Wilhelm, der che-valeresken, glänzenden Liebenswürdigkeit des Prinzen Carl, an dem, ummit Shakespear zu sprechen, jeder Zoll ein Ritter ist, so wie der ju-gendlichen Kraft und heitern Lebenslust des Jüngsten der Familie, sonahe wie möglich kämen und ganz gewiß: beide von mir genanntenClassen würden sich sehr dazu Glück zu wünschen haben.

Ehrfurcht hält meine Feder zurück in diese flüchtige Charakteristik auchdie Prinzessinnen einzuschließen. Ich muß mich vor dem Enthusiasmushüten, der mir nicht gebührt. Aber so viel darf ich wohl sagen; wennunsere Prinzen liebenswerth sind, so sind sie zugleich beneidenswerthdurch ihr häusliches Glück, ein schönes Vorbild für eine Nation, woder Thron der Herrscherfamilie auf allen Seiten von so hoher Schön-heit und so edler Weiblichkeit umstrahlt wird."

Im Jahre 1824 schrieb Niebuhr an seine Gattin : Gestern und heutehabe ich einige Stunden beim Kronprinzen zugebracht. ES ist in ihm