Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen
 

6l

der Eine vertrat oft den Anderen, und die Gemeinden nah-men daran so wenig Anstoß, daß sie vielmehr solche Eintrachtlobten und ihre Freude daran hatten. Bei Hochzeiten derLutheraner und Reformirtcn; in gemischten Ehen; bei Tau-fen; bei'm Religionsunterricht der Kinder; bei Begräbnissen,Testamenten und Erbschaften, verwischte sich vollends dieserUnterschied und trennte die Herzen nicht mehr. Damit wardie Union schon da, und ausgesprochen vom geliebten Herrnund Bater des Landes als Wunsch, eilte man, ihn zu er-füllen.

Vorzüglich trug dazu bei die um diese Zeit 1817 zuBerlin in eine Synode versammelte und vereinigte Geist-lichkeit beider Confessionen zur kirchlichen Union. Einstim-mig hatte man den Prediger, Professor vi-. Schlciermacher,zum Präses gewählt. Er war nicht der Erste dem Rangenach, aber wohl der Erste im Geiste und seinen Gaben.Gerade zu solchem ernsten und wichtigen irenischen Geschäftwar er der rechte Mann. Sein Scharfsinn, seine Gemüth.lichkeit, seine Gelehrsamkeit, seine Frömmigkeit, sein ernster,tiefer Charakter, seine Liebe und Geduld bei aller geistigenUebcrlcgenhcit, und sein schmuckloser beredter Vortrag, leitetedie Bcrathungen mit Einsicht und Pietät. Jeden Zweifelwußte er zu entkräften, jeden Einwurf zu widerlegen, jedeBcdenklichkcit zu beschwichtigen. Sein klarer Geist, seinfrommes Herz, längst vertraut mit den Grundsätzen, wie mitden Mysterien des Urchristenthums, schwebte segnend überder Versammlung und thcilte sich begeisternd mit. Manwurde wie bei den ersten Christen Ein Herz und Eine Seele,und feierte so das Fest der kirchlichen Union. Als Zeichenund Versiegelung derselben wurde in der Hauptkirchc Berlins