Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
Seite
260
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ters. Zwar war derselbe, seinem Naturell nach, in den ihmangeborenen Anlagen und der daraus entspringenden herr-schenden Stimmung des Gemüthes, immer menschenfreund-lich und wohlwollend; doch war diese Menschenfreundlichkeitund dicß Wohlwollen zugleich sanguinisch, mithin wankcl-inüthig und unbeständig, und hing nur von seinem Befin-den und der Concurrenz der Umstände ab. Er war einervon den liebenswürdigen Menschen, die zu allen Zeiten undin jedem Moment des Lebens mit Jedem und der Sache,die sie gerade vorhaben, redlich und aufrichtig es gut mei-nen, aber die heute nicht sind, wie sie gestern waren, undmorgen Jenes und Dieses in der Lebendigkeit und Beweg-lichkeit ihres Wcsins vergessen haben. In dem Benehmendes Kaisers gegen den König von Preußen bcnn Abschlußdes Tilsiter Friedens, und dann vorzüglich in dem Verhaltendes Russischen Kaisers gegen den Französischen bei ihrer Zu-sammenkunft in Erfurt, ist Manches, was beim ersten An-blick gegen seinen treuen Bundesgenossen, dem er über demSarge des großen Ahnherrn in ernster Mitternachtsstundeewige Treue geschworen hatte, als Zweideutigkeit erscheint;was es jedoch nicht war, sondern was aus der Flexibilität,jedem äußeren Eindrucke offen, sich psychologisch wahr er-klärt. Offenbar war Alexander in dem Zustande derTäuschung und sah in dem Französischen Kaiser einen grö-ßeren Mann, als derselbe wirklich war.Aber der Brandvon Moskau erleuchtete seine Seele," und von die-sem Zeitpunkte an wurde er ein ganz Anderer. Was vor-her in ihm Ansicht gewesen war, wurde tiefe Erkenntniß;was Gefühl, Gedanke; was Wallung, Grundsatz.Er wurde ein sclbstständiger Mann, ein wirklicher Autokrat,der überall auf eigenen Füßen stand, der wußte, was er