Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
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dazwischen, Jahre des Glücks und des Unglücks; es war Allesganz anders geworden; der sonst bedauerte, von Vielen oft

Stellung gegen den König in unmittelbarer Anschauung kennenzu lernen. Was ist es doch für eine köstliche Sache um dieWahrheit und Liebe zu ihr, sobald man mit Ernst und vonHerzen nur sie allein, und sonst nichts Anderes, will! DieserWahrheitssinn, lebendig geworden in der Brust, gicbt in derihm immer beiwohnenden Inspiration dem Verstände Klarheit,dem Herzen Muth, der Sprache den rechten Ton, so daß dieWahrheit selbst darin überzeugend und gewinnend hervor, ihrSprecher aber anspruchlos zurücktritt. So stand Witzlebenvor seinem Könige fest und ruhig, offen und unbefangen, jedes-mal seiner Sache gewiß, in tiefem Nespcct vor seinem Landes-herr», aber in einem noch tieferen vor der Wahrheit und ihrerewigen Herrlichkeit. Freimüthig und ganz, wie er sie erkannt,sprach er sich aus; Zwcizüngigkeit und Zweideutigkeit war seineredlen ritterlichen Natur unmöglich. Für einen regierenden Herrn,der nur angenehme Wahrheiten hören will und dem man dieunangenehmen nicht anders als im Dufte des Weihrauchs sagendarf, hätte Witzlebcn auch nicht einen Tag gepaßt; für KönigFriedrich Wilhelm III., den Wahrhaftigen, war er gerade derrechte Mann. Er ehrte ihn als Seinen freisinnigen Rathgeberund liebte ihn als Freund in nie getrübter wechselseitiger An-hänglichkeit durch volle 20 Jahre bis zum Tode. Reiner undtreuer, mit ganzer Seele, aus vollem Gemüthe und aus allenKräften, kann man nicht dienen, als er gedient hat. Arbeitwar seiner stoischen Natur Genuß, und das, was die Welt einfreudenvolles Leben nennt, und welches er, von allen Seitenverehrt und begehrt, hätte genießen können, wollte und mochteer nicht. Einsamkeit und ihre stillen Nächte liebte er am Mei-sten und er fühlte sich am Glücklichsten in dem ruhigen Pots-dam. Hochgestellt und viclvcrmögcnd, blieb er schlicht undbieder, einfach und anspruchlos; auf seiner Brust war füralle Orden und Ehrenzeichen nicht Raum mehr; aber gern undallein trug der ernste, eisenfcste Mann nur das eiserne Kreuz.Tagtäglich von Menschen aus allen Ständen angesprochen, blieber in festgesetzten Sprechstunden zugänglich und ertrug die Qual