Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
Seite
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In Berlin war Alles in Bewegung und man sah Men-schenmassen aus den Straßen, in den Fenstern und auf denDächern der geschmückten Häuser. Unter feierlichem Em-pfange, dem Geläute aller Thurmglockcn und dem Donnerder Kanonen, geschah am Mittag bei klarem Winterhimmclder Einzug. Ueberall wchetcn weiße Fahnen und Tücher.Der König ritt langsam, ernst und mild, hinter Ihm derKronprinz und der Prinz Wilhelm, und dann die Königinnin dem neuen mit 8 Pferden bespannten Wagen. Angekom-men vor dem Palais wurde Sie von Ihrem an der Spitzestehenden erlauchten, ehrwürdigen Vater empfangen, dem Siemit kindlicher Nebe und unbeschreiblicher Rührung in dieArme sank. Diese wurde noch durch die Erinnerung ver-mehrt, daß gerade an dem Tage vor 15 Jahren Sie alsBraut, freilich unter ganz andern Gefühlen, Ihren Einzughielt.

Das Ganze hatte etwas Eigcnthümlichcs. Es war einTrauer-, und doch ein Freudcntag; Beides in einer Mischung.Ein Trauertag: die Größe und der Ruhm Preußen's wardahin, gedemüthiget war man aufs Tiefste; und was hatteman gelitten, und was litt man noch! Und doch war manfroh, den treuen redlichen König und die geliebte Königinnmit den Königlichen Kindern wiederzusehen. Gefühle, wider-sprechend, niederschlagend, und dann wieder fröhlich underhebend, durchkreuzten sich, cbbctcn und flutheten. Je-der fühlte das, und man las es auf's Neue in dem nochernster gewordenen Angesichte des Königs, und dem aus-drucksvollen, angenehmen der Königinn, wo die Sonnedurch Regenwolken schien. Man sah in diesen Zügen, wasJeder fühlte. Man konnte sich nicht losreißen von der Er-