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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Über die französische Bühne. Sgl

nnbcwußlen, teuflisch göttlichen Macht, welche wir das Dämonischenennen. Mehr oder minder findet sich dieses Dämonische bei allengroßen Männern der That oder des Wortes. Kcan war gar keinvielseitiger Schauspieler; er konnte zwar in vielerlei Rollen spielen,doch in diesen Rollen spielte er innner sich selber. Aber dadurch gaber nnS immer eine erschütternde Wahrheit, und obgleich zehn Jahreseitdem verflossen sind, sehe ich ihn doch noch immer vor mir stehenals Shylock, als Othello, Richard, Macbeth, und bei manchen dunklenStellen dieser Shakespcareschen Stücke erschloß mir sein Spiel dasvolle Verständnis. Da gab's Modulationen in seiner Stimme, die einganzes Schrcckcnlebcn offenbarten, da gab es Lichter in seinem Auge,die einwärts alle Finsternisse einer Titancnscclc beleuchteten, da gab cSPlötzlichkeiten in der Bewegung der Hand, deS Fußes, des KvPfeS, diemehr sagten als ein Vierbändiger Kommentar von Franz Horn.

Sirbrntcr Brief.

Wie Sie wissen, lieber Lcwald, ist es nicht meine Gewohnheit, dasSpiel der Komödianten, oder wie man vornehm sagt: die Leistungender Künstler, mit behagtichcr Wortfüllc zu besprechen. Aber EdmundKean, dessen ich im vorigen Briefe erwähnte und ans den ich nocheinmal zurückkomme, war kein gewöhnlicher Brettcrheld, und ichgestehe Ihnen, in meinem englischen Tagebuche verschmähte ich eSnicht, neben einer Kritik der wcltwichtigstcn Parlamcntsredncr desTages, auch über das jedesmalige Spiel von Kean meine flüchtigenWahrnehmungen aufzuzeichnen. Leider ist, mit so vielen meinerbesten Papiere, auch dieses Buch verloren gegangen. Doch will esmich bedünkcn, als hätte ich Ihnen einmal in Wandsbcck etwas überdie Darstellung des Shtsiock von Kcan daraus vorgelesen. Der Judevon Venedig war die erste Heldenrolle, die ich ihn spielen sah. Ichsage Heldenrolle, denn er spielte ihn nicht als einen gebrochenen altenMann, als eine Art Schewa des Hasses, wie unser Devrient that,sondern als einen Helden. So steht er noch immer in meinem Ge-dächtnisse, nngcthan mit seinem schwarzseidcnen Rockelor, der ohneÄrmel ist und nur bis ans Knie reicht, so daß das blutrote Unter-gcivnnd, welches bis zu den Füßen hinabfällt, desto greller hervortritt.Ei» schwarzer, brciträndiger, aber zu beiden Seiten anfgekrämptcrFilzhnt, der hohe Kegel mit einem blutroten Bande umwunden, be-deckt das Haupt, dessen Haare, sowie auch die des Bartes, lang undpechschwarz herabhängen und gleichsam einen wüsten Rahmen bildenzu dem gesund roten Gesichte, worin zwei weiße, lechzende Augäpfelschauerlich beängstigend hcrvorlancrn. In der rechten Hand hält ereinen Stock, weniger als Stühe, denn als Waffe. Nur den Ellbogenseines linken Arms stützt er darauf, und in der linken Hand ruht