Das Biirgerkvnigtum im Jahre 1832. 2K7
lcgitimistischen Ritterschaft^), der immer geistreich spricht, gleichvielfür welche Sache.
Indessen, hier in Frankreich, dem Lande der Parteien, wv denEreignissen alle ihre Konsequenzen unmittelbar abgepreßt werden,geht die böse Wirkung immer Hand in Hand mit einer mehr oderminder heilsamen Gegenwirkung. Und dieses zeigt sich auch bei Ge-legenheit jenes unglückseligen Verdikts. Die argen Folgen desselbenwerden für den Moment einigermaßen neutralisiert durch den Jubelund das Siegesgeschrei, das die Legitimisten erheben; das Volk haßtsie so sehr, daß es all seinen Unmut gegen Ludwig Philipp vergißt,wenn jene Erbfeinde des neuen Frankreichs allzu jauchzend über ihntriumphieren. Der schlimmste Vorwurf, der gegen den König injüngster Zeit aufgebracht wurde, war ja eben, daß man ihn be-schuldigte, er betreibe allzu eifrig seine Aussöhnung mit den Legiti-misten und opfere ihnen die demokratischen Interessen. Deshalb er-regte die Beleidigung, die dem König gerade durch diese froudiercndenEdelleutc widerfuhr, zunächst eine gewisse Schadenfreude bei derBourgeoisie, die, angehetzt durch die Journale des unzufriedenenMittelstandes, von den reaktionären Vorgesetzten des jetzigen Ministe-riums die verdrießlichsten Dinge fabelt.
Welche Bewandtnis hat es aber mit jenen reaktionären Vor-sätzen, die man absonderlich Herrn Guizot zuschreibt? Ich kann ihnenkeinen Glauben schenken. Guizot ist der Mann des Widerstandes,aber nicht der Reaktion. Und seid überzeugt, daß man ihn ob seinesWiderstandes nach oben schon längst verabschiedet hätte, wenn mannicht seines Widerstandes nach unten bedürfte. Sein eigentlichesGeschäft ist die thatsächliche Erhaltung jenes Regiments der Bourgeoisie,das von den marodierenden Nachzüglern der Vergangenheit ebensogrimmig bedroht wird, wie von der plünderungssüchtigen Avantgardeder Zukunft. Herr Guizot hat sich eine schwierige Aufgabe gestellt,und ach! niemand weiß ihm Dank dafür. Am undankbarsten wahr-lich zeigen sich gegen ihn eben jene guten Bürger, die seine starkeHand schirmt und schützt, denen er aber nie vertraulich die Handgicbt, und mit deren kleinlichen Leidenschaften er nie gemeinschaftlicheSache macht. Sie lieben ihn nicht, diese Spießbürger, denn er lachtnicht mit ihnen über Voltairesche Witze, er ist nicht industriell, undtanzt nicht mit ihnen um den Maibaum der LUoris! Er trägt dasHaupt sehr hoch, und ein melancholischer Stolz spricht aus allen seinenZügen: „Ich könnte vielleicht etwas Besseres thun, als für dieses
*) „der immer sehr gut ficht und gut bezahlt wird" schlicht dieser Sah inder Augsburger Allgemeinen Zeitung. — In der französischen Ausgabe swo dieseZeilen zugleich den Schluß des Briefes bilden) beißt cS: „dessen Honorar, wieexorbitant es auch sei, niemals die Höhe seines unschätzbaren Talentes erreichen wird."
Der Herausgeber.Heine's Werke. IX. Bd. 17