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9 (1898) Französische Zustände : 1
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Das Bllrgerkönigtum im Jahre 1832. 233

alsdann zum Zeichen seiner stummen Rührung die Augen gen Himmelrichtete und die Hand beteuernd aufs Herz legte. Die Engländeraber ließen es sich manchmal zwanzig Frank kosten, und dann wardder Enthusiasmus aufs höchste gesteigert, und sobald der König aufder Terrasse erschien, ward die Marseillaise angestimmt und so fürchter-lich gegröhlt, biS Ludwig Philipp, vielleicht nur um dem Gesang einEnde zu machen, sich verbeugte, die Augen gen Himmel richtete, dieHand aufs Herz legte und die Marseillaise mitsang. Ob er auch mitdem Fuße den Takt schlug, wie behauptet wird, weiß ich nicht. Ichkann überhaupt die Wahrheit dieser Anekdote nicht verbürgen. DerFreund, der sie mir erzählte, ist seit sieben Jahren tot! seit siebenJahren hat er nicht gelogen. Es ist also nicht Herr Berrycr, aufdessen Autorität ich mich berufe.

XXV.

Paris, den 7. November 1340.

Der König hat geweint. Er weinte öffentlich ans dem Throne*),umgeben von allen Würdenträgern des Reichs, angesichts seinesganzen Volkes, dessen erwählte Vertreter ihm gegenüber standen, undZeugen dieses kummervollen Anblicks waren alle Fürsten des Aus-landes, repräsentiert in der Person ihrer Gesandten und Abgeordneten.Der König weinte!**) Dieses ist ein betrübendes Ereignis. Vieleverdächtigen diese Thränen des Königs, und vergleichen sie mit denendes Reineke. Aber ist es nicht schon hinlänglich tragisch, wenn einKönig so sehr bedrängt und geängstet worden, daß er zu dem feuchtenHilfsmittel des Weinens seine Zuflucht genommen? Nein, LudwigPhilipp, der königliche Dulder, braucht nicht eben seinen Thränen-drüsen Gewalt anzuthun, wenn er an die Schrecknisse denkt, wovoner, sein Volk und die ganze Welt bedroht ist. Wie alle bedeutendenMenschen, sucht er gern seine besonderen Bedürfnisse mit dem Gemeinwohl seiner Zeitgenossen in Einklang zu bringen, und so steigerte

») Dem Abdruck dieser Stelle wer in der Augsdurger Allgemeinen Zeitungdie redaktionelle Note beigefügt: „Wir haben gemeldet, dag bei einer Stelle derThronrede (Darmes' Mordversuchs Ludwig Philipp, von innerer Bewegung er-griffen, iune hcelt und seine Stimme stockte; Pariser Korrespondenzen und Journalefügen bei, es seien ihm Thränen in die Augen getreten." Der Herausgeber.

»") Statt der beiden folgenden Salle, enthält die Angsburger AllgemeineZeitung die ausführlichere Stelle: „Dies ist ein entsetzliches Ereignis, und wirgestehen, daß unser tiefstes Herz davon erschüttert ist. Mögen immerhin gewisseLeute über diese Weilhmütigkcit den Kopf schütteln und sie sogar verdächtigen.Verdächtigen sie ja sogar die Thränen des Königs! Als ob es nicht noch tragischerwäre, wenn ein König so sehr bedrängt und geängstet worden, daß er zu dem feuchten.dülfsmittel des Weinens seine Zuflucht genominen! Nein, diese Prosaische Auslegungist ebenso lächerlich wie perfid. Ludwig Philipp, der königliche Dulder -c."

Der Herausgeber.