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9 (1898) Französische Zustände : 1
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Das Biirgerkönigtum im Jahre 1832. 187

zösischen Nationalität; sie sind gerade eben solche Franzosen wie dieandern, und haben also auch Anwandlungen von Enthusiasmus, dievierundzwanzig Stunden, und, wenn die Sonne heiß ist, sogar dreiTage dauern! — und das gilt von den Besseren. Viele unter ihnenüben noch den jüdischen Cermonialdienst, den äußerlichen Kultus,mechanisch, ohne zu wissen warum, aus alter Gewohnheit; voninnerem Glauben keine Spur, denn in der Synagoge ebenso wie inder christlichen Kirche hat die witüge Säure der Voltaireschen Kritikzerstörend gewirkt. Bei den französischen Juden, wie bei den übrigenFranzosen, ist das Gold der Gott des Tags, und die Industrie istdie herrschende Religion. In dieser Beziehung dürfte man diehiesigen Juden in zwei Sekten einteilen; in die Sekte der rivsclroits und die Sekte der rivs Asmvbs, diese Namen haben nämlichBezug auf die beiden Eisenbahnen, welche, die eine längs dem.rechten Seineufer, die andere dem linken Ufer entlang, nach Ver-sailles führen und von zwei berühmten Finanzrabbinern geleitetwerden, die miteinander ebenso divergierend hadern, wie einst RabbiSamai und Rabbi Hillel in der älteren Stadt Babylon.

Wir müssen dem Großrabbi der rivs ärsits, dem Baron Roth-schild, die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er für das HausIsrael eine edlere Sympathie an den Tag legt, als sein schrift-gelehrter Antagonist, der Großrabbi der rivs Aauebs, Herr Benoit-Fould, der, während in Syrien, auf Anreizung eines französischenKonsuls, seine Glaubensbrüder gefoltert und gewürgt wurden, mitder unerschütterlichen Seelenruhe eines Hillel in der französischenDcpntiertenkammer einige schöne Reden hielt über die Konversionder Renten und den Diskonto der Bank.

Das Interesse, welches die hiesigen Juden an der Tragödie vonDamaskus nahmen, reduziert sich auf sehr geringfügige Mani-festationen. DaS israelitische Konsistorium, in der lauen Weise allerKörperschaften, versammelte sich und delebrierte; das einzige Resultatdieser Deliberationen war die Meinung, daß man die Aktenstückedes Prozesses zur öffentlichen Kunde bringen müsse. Herr Cremicnx,der berühmte Advokat, welcher nicht bloß den Juden, sondern denUnterdrückten aller Konfessionen und aller Doktrinen zu jeder Zeitseine großmütige Beredsamkeit gewidmet, unterzog sich der oben er-wähnten Publikation, und mit Ausnahme von einer schönen Frauund einiger jungen Gelehrten ist wohl Herr Cremieux der einzigein Paris, der sich der Sache Israels thätig annahm. Mit dergrößten Aufopferung seiner persönlichen Interessen, mit Verachtungjeder lauernden Hinterlist, trat er den gehässigsten Insinuationenrücksichtslos entgegen, und erbot sich sogar nach Ägypten zu reisen,wenn dort der Prozeß der Damascener Juden vor das Tribunaldes Pascha Mehemed Ali gezogen werden sollte. Der ungetreue