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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
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176 Französische Zustände, I.

Gedankens sind Transaktionen notwendig. Was war es anderes,als Transaktion zwischen der römisch-katholischen Überlieferung undder menschlich-göttlichen Vernunft, waS vor drei Jahrhunderten inDeutschland als Reformation und protestantische Kirche ins Lebentrat? Was war es anderes, als Transaktion, was Napoleon inFrankreich versuchte, als er die Menschen und die Interessen desalten Regimes mit den neuen Menschen und neuen Interessen derRevolution zu versöhnen suchte? Er gab dieser Transaktion denNamen „Fusion" — ebenfalls ein sehr bedeutungsvolles Wort,welches ein ganzes System offenbart, — Zwei Jahrtausende vorNapoleon hat ein anderer großer Staatsmann, Alexander vonMakedonien, ein ähnliches Fusionssystem ersonnen, als er denOccident mit dem Orient vermitteln wollte, durch Wechsclheiratenzwischen Siegern und Besiegten, Sittentansch, Gednnkenverschmelznng,— Nein, zu solcher Höhe des FnsionSsystems konnte sich Napoleonnicht erheben, nur die Personen und Interessen wußte er zu ver-mitteln, nicht die Ideen, und das war sein großer Fehler und auchder Grund seines Sturzes, Wird Herr Thiers denselben Mißgriffbegehen? Wir fürchten es fast, Herr Thiers kann sprechen vomMorgen bis Witternacht, unermüdet, immer neue glänzende Gedanken,immer neue Geistesblitze hervorsprühend, den Zuhörer ergötzend, be-lehrend, blendend, man möchte sagen: ein gesprochenes Feuerwerk.Und dennoch begreift er mehr die materiellen als die idealen Bedürf-nisse der Menschheit; er kennt den letzten Ring nicht, womit dieirdischen Erscheinungen an den Himmel gekettet sind; er hat keinenSinn für große sociale Institutionen,

IV.

Paris, den Z0, April 1840.

„Erzähle mir, was du heute gesäet hast, und ich will dir voraus-sagen, was du morgen ernten wirst!" An dieses Sprichwort deskernichten Sancho dachte ich dieser A-age, als ich im Faubourg SaintMarceau einige Ateliers besuchte und dort entdeckte, welche Lektüreunter den Ouvriers, dem kräftigsten Teile der unteren Klasse, ver-breitet wird. Dort fand ich nämlich mehrere neue Ausgaben von denReden des alten Robespicrre, auch von Marats Pamphleten, inLieserungen zu zwei SouS, die Revolutionsgcschichte des Cabet, Cor-menins giftige Libelle, Baboenfs Lehre und Verschwörung vonBnvnarvtti, Schriften, die wie nach Blut rochen; — und Liederhörte ich singen, die in der Hölle gedichtet zu sein schienen, und derenRefrains von der wildesten Aufregung zeugten. Nein, von den dämo-nischen Tönen, die in.jenen Liedern walten, kann man sich in unserer