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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
Seite
163
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Das Biirgerkönigtum im Jahre 1832. 163

mögen nach Belieben darüber glossieren, inwieweit der VerfasserderBriefe eines Verstorbenen" und der Berichterstatter der Lutetiazusammenpaßten.

Der Meister, dem ich dieses Buch zueigne, versteht das Hand-werk, und kennt die ungünstigen Umstände, unter welchen der Autorschrieb. Er kennt das Bett, in welchem meine Geisteskinder dasLicht erblickten, das Augsbnrgische Prokrustesbett, wo man ihnenmanchmal die allzulangen Beine und nicht selten sogar den Kopfabschnitt. Um unbildlich zu sprechen, das vorliegende Buch bestehtzum größten Teil aus Tagesberichten, welche ich vor geraumer Zeitin der Angsburgischen Allgemeinen Zeitung drucken ließ. Von vielenhatte ich Brvuillons zurückbehalten, wonach ich jetzt bei dem neuenAbdruck die unterdrückten oder veränderten Stellen restaurierte.Leider erlaubt mir nicht der Znstand meiner Augen, mich mit vielensolcher Restaurationen zu befassen; ich konnte mich aus dem verwit-terten Papierwnst nicht mehr herausfinden. Hier nun, sowie auchbei Berichten, die ich ohne vorläufigen Entwurf abgeschickt hatte, er-setzte ich die Lakunen und verbesserte ich die Alterationen so viel alsmöglich aus dem Gedächtnisse, und bei Stellen, wo mir der Stilfremdartig und der Sinn noch fremdartiger vorkam, suchte ich wenig-stens die artistische Ehre, die schöne Form, zu retten, indem ich jeneverdächtigen Stellen gänzlich vertilgte. Aber dieses Ausmerzen anOrten, wo der wahnwitzige Rotstift allzusehr gerast zu haben schien,traf nur Unwesentliches, keineswegs die Urteile über Dinge undMenschen, die oft irrig sein mochten, aber immer treu wiedergegebenwerden mußten, damit die ursprüngliche Zeitfarbe nicht verlorenging. Indem ich eine gute Anzahl von ungedruckt gebliebenen Be-richten, die keine Censur passiert hatten, ohne die geringste Verände-rung hinzufügte, lieferte ich durch eine künstlerische Zusammenstellungaller dieser Monographien ein Ganzes, welches das getreue Gemäldeeiner Periode bildet, die ebenso wichtig wie interessant war.

Ich spreche von jener Periode, welche man zur Zeit der Regie-rung Ludwig Philipps dieParlamentarische" nannte, ein Name, dersehr bezeichnend war und dessen Bedeutsamkeit mir gleich im Beginnauffiel. Wie im ersten Teil dieses BucheS zu lesen, schrieb ich am3. April 1846 folgende Worte:Es ist sehr charakteristisch, daß seiteiniger Zeit die französische StaatSregierung nicht mehr ein konstitu-tionelles, sondern ein parlamentarisches Gouvernement genannt wird.Das Ministerium vom ersten März erhielt gleich in der Taufe diesenNamen." Das Parlament, nämlich die Kammer, hatte damalsschon die bedeutendsten Prärogative der Krone an sich gerissen, unddie ganze Staatsmacht fiel allmählich in seine Hände. Seinerseitswar der König, es ist nicht zu leugnen, ebenfalls von usurpatorischenBegierden gestachelt, er wollte selbst regieren, unabhängig von

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