Druckschrift 
9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
Seite
159
Einzelbild herunterladen
 

Das Biirgerkönicstum im Jahre 183!Z, kbll

Mitgefangen, mitgehangen. Aber es war nur ein Spaß der DiepperNativnalgarden. Diese hatten erfahren, daß Ludwig Philipp imSchlüsse En angekommen sei, und sie faßten auf der Stelle den Be-schluß, dorthin zu marschieren, um den König zu begrüßen; vorihrer Abreise wollten sie aber die armen Karlisten in Schrecken setzen,und sie machten den entsetzlichsten Lärm vor den Häusern derselben,und sangen dort wie wahnsinnig die Marseille! Hymne, jenes äissira, cliss illa der neuen Kirche, das zunächst den Karlisten ihrenjüngsten Gerichtstag verkündet.

Da ich mich bald darauf ebenfalls nach Eu begab, so kann ichals Augenzenge berichten, daß es keine angeordnete Begeisterungwar, womit die Natioualgarden dort den König umjubelten. Erließ sie die Revue passieren, war sehr vergnügt über die unver-hohlene Freude, womit sie ihn anlachten, und ich kann nicht leugnen,daß in dieser Zeit des Zwiespaltes und des Mißtrauens solches Bildder Eintracht sehr erbaulich war. Es waren freie, bewehrte Bürger,die ohne Scheu ihrem König ins Auge sahen, mit den Waffen inder Hand ihm ihre Ehrfurcht bezeigten, und zuweilen mit männ-lichem Handschlage ihm Treue und Gehorsam zusagten. LudwigPhilipp nämlich, wie sich von selbst versteht, gab jedem die Hand.Über dieses Händedrücken mokieren sich die Karlisten noch ammeisten, und ich gestehe gern, der Haß macht sie zuweilen witzig,wenn sie jenemssseants xopnlarits des xoig-nsss cls rnain"persiflieren. So sah ich in dem Schlosse, dessen ich schon frühererwähnt, sn pstit oomits, eine Posse aufführen, wo aufs ergötzlichstedargestellt ward, wie Fip I., König der Philister sepioisrs). seinemSohne Großküken s^rancl poulot) Unterricht in der StaatSwissenschaftgicbt, und ihn väterlich belehrt: er solle sich nicht von den Theo-retikern verleiten lassen, das Bürgerkönigtum in der Voltssouveränitätzu sehen, noch viel weniger in der Aufrechierhaltnng der Charte; ersolle sich weder an das Geschwätz der Rechten noch der Linken kehren;eS komme nicht darauf an, ob Frankreich im Inneren frei und imAuslande geehrt sei, noch viel weniger, ob der Thron mit republi-kanischen Institutionen barrikadiert oder von erblichen Pairs gestütztwerde; weder die oktroyierten Worte noch die heroischen Thaten seienvon großer Wichtigkeit; das Bllrgerkönigtum und die ganze Re-gicrungSkunst bestehe darin, daß man jedem Lump die Hand drücke.Und nun zeigt er die verschiedenen Handgriffe, wie man den Leutendie Hand drückt, in allen Positionen, zu Fuß, zu Pferd, wenn mandurch ihre Reihen galoppiert, wenn sie vorbeidcfilieren u. s. w. Groß-küken ist gelehrig, macht diese Regierungskunststücke aufs beste nach;ja er sagt, er wolle die Erfindung des Bürgerkönigtums noch ver-bessern, und jedesmal, wenn er einem Bürger die Hand drückte, ihnauch fragen:Wie gehts, man visux evellon?« oder, was synonym