Das Biirgerkönigtum im Jahre 1832. 151
Die Frage, ab er stark oder schwach, gilt nur für die Erhaltung desFricdenszustandes, und nur in dieser Hinsicht ist sie wichtig für aus-wärtige Mächte. Ich erhielt von mehreren Seiten die Antwort: Imparti ein roi ast trss noradrsnx, rnnis II n'sst pas korb. Ichglaube, diese Worte geben viel Stoff zum Nachdenken. Zunächst liegtdarin die schmerzliche Andeutung, daß die Regierung selbst nur eiucrPartei und allen Parteiinteressen unterworfen sei. Der König isthier nicht mehr die erhabene Obergewalt, die von der Hohe desThrones dem Kampfe der Parteien ruhig zuschaut und sie im heil-samen Gleichgewichte zu halten weiß: nein, er ist selbst herabgestiegenin die Arena. Odilon-Barrvt, Mauguin, Carrel, PagöS, Cavaignacdünken sich vielleicht nur durch die Zufälligkeit der momentanen Ge-walt von ihm unterschieden. Das ist die trübselige Folge davon, daßder König die Präsidentur des Cvnseils sich selbst zuteilte. Jetzt kannLudwig Philipp nicht das vorhandene Regicrungssystem ändern, ohnedaß er alsdann in Widerspruch mit seiner Partei und sich selbst fiele.So kam es, daß ihn die Presse gleich dem ersten Chef einer Parteibehandelt, in ihm selber alle Regierungsfehler rügt, jedes ministerielleWort seiner eigenen Zunge zuschreibt und in dem Bürgerkönig nurden Königminister sieht. Wenn die Götterbilder von ihren erhabenenPostamenten herabsteigen, dann entweicht die heilige Ehrfurcht, diewir ihnen zollten, und wir richten sie nach ihren Thateu und Worten,als wären sie unseresgleichen.
Was die Andeutung betrifft, daß die Partei des Königs zwarzahlreich, aber nicht stark sei, so ist damit freilich nichts NeueS gesagt,es ist dies eine längst bekannte Wahrheit; aber bemerkenswert ist cS,daß auch das Volk diese Entdeckung gemacht, daß es nicht wie ge-wöhnlich die Köpfe zählt, sondern die Hände, und daß es genauunterscheidet die. welche Beifall klatschen, nnd die, welche zum Schwertegreifen. Das Volk hat sich seine Leute genau betrachtet, und weißsehr gut, daß die Partei des Königs ans folgenden drei Klassenbesteht: nämlich aus Handels- und Besitz-Leuten, welche für ihreBuden und Güter besorgt sind, auS Kampfmnden, welche überhauptRuhe haben möchten, und aus Bangherzigen, welche die Herrschaftdes Schreckens befürchten. Diese königliche Partei, mit Eigentumbepackt, verdrießlich ob jeder Störnis in ihrer Behaglichkeit, dieseMajorität steht einer Minorität gegenüber, die wenig Bagage znschleppen hat, und dabei unruhsüchtig über alle Maßen ist, ohne inihrem wilden schrankenlosen Jdeengange den Schrecken anders alswie einen Bundesgenossen zu betrachten.
Trotz der großen Kopfzahl, trotz des Triumphes vom 6. Junins,zweifelt das Volk an der Stärke des Juste-Milieu. Es ist aberimmer bedenklich, wenn eine Regierung nicht stark scheint in denAugen des Volkes. Es lockt dann jeden, seine Kraft daran zu