Das Biirgerkönigtum im Jahre 1832,
137
verweisen. Ihr Ton ist weit wichtiger als das, was sie sagen.Übrigens sind sie gewiß wieder voll von Lügen. — Seit frühestemMorgen wird unaufhörlich getrommelt. Es ist heute große Revue.Mein Bedienter sagt mir, daß die Boulevards, überhaupt die ganzeStrecke von der Barribre du Trone bis an die Barriere de l'Etvile,mit Linientrnppen und Nationalgardcn bedeckt sind. Ludwig Philipp,der Vater des Vaterlandes, der Besieger der Catilinas vom 5. Juni,Cicero zu Pferde, der Feind der Guillotine und des Papiergeldes,der Erhalter des Lebens und der Butiken, der Bürgerköniq, wirdsich in einigen Stunden seinem Volke zeigen! ein lautes Lebehochwird ihn begrüßen; er wird sehr gerührt sein; er wird vielen dieHand drücken, und die Polizei wird es an besonderen Sicherheits-maßregcln und an Extra-Enthusiasmus nicht fehlen lassen.
Parts, de» 11. Juni.
Ein wunderschönes Wetter begünstigte die gestrige Heerschan.Auf den Boulevards, vor der Barriere de l'Etoile standen vielleichtöOllllll Nativnalgarden und Linientruppen, und eine unzählige Mengevon Zuschauern war auf den Beinen oder an den Fenstern, neugierig erwartend, wie der König aussehen und das Volk ihn empfangenwerde, nach so außerordentlichen Ereignissen. Um ein Uhr gelangtenSe. Majestät mit Ihrem Generalstab in die Nähe der Porte Saint-Denis, wo ich auf einer umgestürzten Therme stand, um genauerbeobachten zu können. Der König ritt nicht in der Mitte, sondernau der rechten Seite, wo Nativnalgarden standen, und den ganzenWeg entlang lag er seitwärts vom Pferde herabgebeugt, um uberallden Nationalgarden die Hand zu drücken; als er zwei Stunden späterdesselben Weges zurückkehrte, ritt er an der linken Seite, wo er das-selbe Manöver fortsetzte, so daß ich mich nicht wundern würde, wenner infolge dieser schiefen Haltung heute die größten Brustschmerzenempfindet, oder sich gar eine Rippe verrenkt hat. Jene außerordent-liche Geduld des Königs war wirklich unbegreifbar. Dabei mußteer beständig lächeln. Aber unter der dicken Freundlichkeit jenes Ge-sichtes, glaube ich, lag viel Kummer und Sorge. Der Anblick desMannes hat mir tiefes Mitleid eingeflößt. Er hat sich sehr ver-ändert, seit ich ihn diesen Winter auf einem Ball in den Tuileriengesehen. Das Fleisch seines Gesichtes, damals rot und schwellend,war gestern schlaff und gelb, sein schwarzer Backenbart war jetzt ganzergraut, so daß es aussieht, als wenn sogar seine Wangen sich seit-dem geängstigt ob gegenwärtiger und künftiger Schläge des Schicksals;wenigstens war es ein Zeichen des Kummers, daß er nicht darangedacht hat, seinen Backenbart schwarz zu färben. Der dreieckige Hut,