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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
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Das Biirgerkönigtmn im Jahre 1832. 135

Der gesetzlose Zustand, worin man sich jetzt hier befindet, ist wider-wärtig; das ist eilt fataleres Übel als die Cholera. Wie man früher,als letztere grassierte, durch die übertriebenen Angaben der Toten-zahl geängstigt wurde, so ängstigt man sich jetzt, wenn man von denungeheuer vielen Arrestationen, wenn man von geheimen Fusilladenhört, wenn tausenderlei schwarze Gerüchte sich, wie gestern abend derFall war, im Dunkeln bewegen. Heute, bei Tageslicht, ist man be-ruhigter. Man gesteht, daß man sich gestern geängstigt, und manist vielmehr verdrießlich als furchtsam. Es herrscht jetzt ein Juste-Milicu-Terreur!

Die Journale sind gemäßigt in ihren Protestativnen, jedochkeineswegs kleinlaut. Der „National" und der „Temps" sprechenfurchtlos, wie freien Männern ziemt. Mehr als heute in den Blät-tern steht, weiß ich über die neuesten Ereignisse nicht mitzuteilen.Man ist ruhig und läßt die Dinge ruhig herankommen. Die Regie-rung ist vielleicht erschrocken über die ungeheure Macht, die sie inihren eigenen Händen sieht. Sie hat sich über die Gesetze erhoben;eine bedenkliche Stellung. Denn es heißt mit Recht: Hui est an-äsosus äs In loi, sst pars äs In toi. Das Einzige, womit vielewähre Freiheitsfreunde die jetzigen gewaltsamen Maßregeln entschul-digen, ist die Notwendigkeit, daß die roz-nnts äsmoorntigus imInnern erstarken müsse, um nach außen kräftiger zu handeln.

Paris, de» 10. Juni.

Gestern war Paris ganz ruhig. Den Gerüchten von den vielenFüsilladen, noch vorgestern abend von den glaubwürdigsten Leutenverbreitet, wurde von denen, die der Regierung am nächsten stehen,aufs beruhigendste widersprochen. Nur eine große Anzahl von Ver-haftungen wurde eingestanden. Dessen konnte man sich aber auchmit eigenen Augen überzeugen: gestern, noch mehr aber vorgestern,sah man überall arretierte Personen von Liniensoldaten oder Kvm-munalgarden vorbeiführen. Das war zuweilen wie eine Prozession;alte und junge Menschen in den kläglichsten Kostümen und begleitetvon jammernden Angehörigen. Hieß es doch, jeder werde gleich vorein Kriegsgericht gestellt und binnen vierundzwanzig Stunden er-schossen zu Vinccnnes. Überall sah man Volksgruppen vor denHäusern, wo Nachsuchuugen geschahen. Dies war hauptsächlich derFall in den Straßen, die der Schauplatz des Kampfes gewesen, undwo sich viele der Kämpfer, als sie an ihrer Sache verzweifelten, ver-borgen hielten, bis irgend ein Verräter sie aufspürte. Längs denQuais sah man das meiste Volksgewimmcl, gaffend und schwatzend,besonders in der Nähe von Rue St. Martin, die noch immer mit