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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
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Das Burgerkönigtuni im Jahre 1832. 121

lorcn. Die Könige von Frankreich, verdrießlich ob ihrer Abhängig-keit von dem Adel und von der Geistlichkeit, welcher elfterer sich ihnengleich dünkte und welche letztere mehr als sie selbst das Volk be-herrschte, hatten allmählich die Selbständigkeit jener beiden Mächtezu vernichten gewußt, und unter Ludwig XIV. war dieses stolze Werkvollendet. Statt eines kriegerischen Feudaladels, der die Könige einstbeherrschte und schützte, kroch jetzt um die Stufen des Thrones einschwächlicher Hofadel, dem nur die Zahl seiner Ahnen, nicht seinerBurgen und Mannen, Bedeutung verlieh; statt starrer nltramonta-nischer Priester, die mit Beichte und Bann die Könige schreckten, aberauch das Volk im Zaume hielten, gab es jetzt eine gallikanischc, so-zusagen mediatisiertc Kirche, deren Ämter man im Osil eis bosnkvon Versailles oder im Boudoir der Maitressen erschlich, und derenOberhäupter zu denselben Adligen gehörten, die als Hofdvmcstikenparadierten, so daß Abt- und Bischofskostüm, Pallium und Mitraals eine andere Art von Hoflivree betrachtet werden konnte; — undohngeachtet dieser Umwandlung behielt der Adel die Borrechte, dieer einst über das Volk ausgeübt; ja sein Hochmut gegen letzteresstieg, je mehr er gegen seinen königlichen Herrn in Demut versank;er usurpierte nach wie vor alle Genüsse, drückte und beleidigte nachwie vor; und dasselbe that jene Geistlichkeit, die ihre Macht über dieGeister längst verloren, aber ihre Zehnten, ihr Dreigöttermonopol,ihre Privilegien der Geistesunterdrücküng und der kirchlichen Tückennoch bewahrt hatte. Was einst im Bauernkrieg die Lehrer des Evan-geliums versucht, das thaten die Philosophen jetzt in Frankreich, undmit besserem Erfolg! sie demonstrierten dem Volke die Usurpationendes Adels und der Kirche; sie zeigten ihm, daß beide kraftlos ge-worden; — und das Volk jubelte ans, und als am 14. Jnnius 1789das Wetter sehr günstig war, begann das Volk das Werk seinerBefreiung, und wer am 14. Junius 179V den Platz besuchte, wo diealte dumpfe, mürrisch unangenehme Bastille gestanden hatte, fanddort statt dieser ein luftig lustiges Gebäude mit der lachenden Auf-schrift! Im cm clausa.

Seit siebzehn Jahren sind viele Schriftsteller in Europa unab-lässig bemüht, die Gelehrten Frankreichs von dem Vorwurf zu be-freien, als hätten sie den Ausbruch der französischen Revolution ganzbesonders verursacht. Die jetzigen Gelehrten wollten wieder bei denGroßen zu Gnaden aufgenommen werden, sie suchten wieder ihrweiches Plätzchen zu den Füßen der Macht, und gebürdeten sich dabeiso servil unschuldig, daß man sie nicht mehr für Schlangen ansah,sondern für gewöhnliches Gewürme. Ich kann aber nicht umhin,der Wahrheit wegen zu gestehen, daß eben die Gelehrten des vorigenJahrhunderts den Ausbruch der Revolution am meisten befördertund deren Charakter bestimmt haben. Ich rühme sie deshalb, wie