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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
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36 Französische Zustände, l.

konnte. Ebensowenig liegt ihm daran, ein legitimer König zu sein,und, wie man sagt, die Guizotsche Erfindung der Quasilcgitimitätwar gar nicht nach seinem Geschmack. Er beneidet Heinrich V. nichtim mindesten ob des Vorzugs der Legitimität, und ist durchaus nichtgeneigt, deshalb mit ihm zu unterhandeln oder gar ihm Geld dafürzu bieten; aber Ludwig Philipp ist nun einmal der Meinung, daßer das Bürgerkönigtum erfunden habe, er hat ein Patent auf dieseErfindung bekommen; er verdient damit jährlich achtzehn Millionen,eine Summe, die das Einkommen der Pariser Spielhäuser fast über-trifft, und er möchte solch einträgliches Geschäft als ein Monopolfür sich und seine Nachkommen behalten. Schon im vorigen Artikelhabe ich augedeutet, wie die Erhaltung jenes Königsmonopols demLudwig Philipp über alles am Herzen liegt, und wie, in Berücksich-tigung solcher menschlichen Denkweise, seine Usurpation der Präsi-dentur im Conseil zu entschuldigen ist. Noch immer hat er sich derThat nach nicht in die gebührenden Grenzen seiner konstitutionellenBefugnis zurückgezogen, obgleich er der Form nach nicht mehr zupräsidieren wagt. Die eigentliche Streitfrage ist noch immer nichtgeschlichtet, und wird sich wohl bis zur Bildung eincS neuen Minosteriums hinzerren. Was aber die Schwäche der Regierung ammeisten offenbart, das ist eben, daß nicht das innere Landesbedürfuis,sondern ausländische Ereignisse die Erhaltung, Erneuerung oderUmgestaltung des französischen Ministeriums bedingen. Solche Ab-hängigkeit von fremdländischen Interessen zeigte sich betrübsam undoffenkundig genug während der letzten Vorfallenheiten in England.Jedes Gerücht, das uns in dieser letzten Zeit von dort zuwehte,brachte hier eine neue Ministerkombination in Vorschlag und Be-ratung. Man dachte viel an Odilon-Barrot, und man war aufgutem Wege, sogar an Mauguin zu denken. Als man das britischeStaatSsteuer in Wellingtons Händen sah, verlor man ganz den Kopfund man war schon im Begriff, des militärischen Gleichgewichtshalber den Marschall Soult zum ersten Minister zu machen.

Die Freiheit von England und Frankreich wäre alsdann unterdas Kommando zweier alten Soldaten gekommen, die, allem selb-ständigen Bürgertume fremd oder gar feindlich, nie etwas anderesgelernt haben als sklavisch zu gehorchen oder despotisch zu befehlen.Soult und Wellington sind ihrem Charakter nach bloße Condottieri,nur daß elfterer in einer edleren Schule das Waffenhandwerk gelernthat und ebensosehr nach Ruhm wie nach Sold dürstet. Nichts Ge-ringeres als eine Krone sollte ihm einst als Beute zufallen, und,wie man mir versichert, Soult war einige Tage lang König vonPortugal, unter'dem Namen Nicolo I., König der Algarven. DieLaune seines strengen Oberherrn erlaubte ihm nicht, diesen könig-lichen Spaß länger zu treiben. Aber er kann es gewiß nicht ver-