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9 (1898) Französische Zustände : 1
Entstehung
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Das Biirgcrkönigtnm im Jahre 1832. 92

dreifarbigen Fahne abgenommen; diese und die Harnische der Küras-siere glänzten im lustigsten Sonnenschein: die roten Trompeter, aufweißen Rossen dahintrabend, bliesen lustig die Marseillaise; das Volk,bunt geputzt und lachend, tänzelte nach den Theatern; der Himmel,der lange umwölkt gewesen, war jetzt so lieblich blau, so svnnen-duftig; die Bäume glänzten so grünvergnügt; die Cholera undCasimir Perier waren vergessen, und es war Frühling.

Nun isk der Leib begraben, aber das System lebt noch. Oderist es wirklich wahr, daß jenes System nicht eine Schöpfung Periersist, sondern des Königs? Einige Philippisten haben diese Meinungzuerst geäußert, damit man der selbständigen Kraft des Königsvertraue: damit man nicht wähne, er stehe ratlos an dem Grabeseines Beschützers; damit mau an der Aufrechthaltung des bis-herigen Systems nicht zweifle. Viele Feinde des Königs bemächtigensich jetzt dieser Meinung; es kommt ihnen ganz erwünscht, daß manjenes unpopuläre System früher als den 13. März datiert, und ihmeinen allerhöchsten Stifter zuschreibt, dem dadurch die allerhöchsteVerantwortlichkeit erwächst. Freunde und Feinde vereinigen sich hiermanchmal, um die Wahrheit zu verstümmeln. Entweder schneidensie ihr die Beine ab, oder ziehen sie so in die Länge, daß sie so dünnwird wie eine Lüge. Der Parteigeist ist ein Prokrustes, der dieWahrheit schlecht bettet. Ich glaube nicht, daß Perier bei dem soge-nannten Systeme vom 13. März nur seinen ehrlichen Namen herge-opfert, und daß Ludwig Philipp der eigentliche Vater sei. Er leugnetvielleicht die Vaterschaft bei diesem bedenklichen Kinde, ebenso wiejener Bauernbursche, der naiv hinzusetzte: Nuis xour äirs Ig, vsrils,js ni xns nui. Alle Beleidigungen, die Frankreich bishererdulden mußte, kommen jetzt auf Rechnung des Königs. Der Fuß-tritt, den der kranke Löwe noch zuletzt in Rom, von der Eselindes Herrn, erhalten hat, erbittert die Franzosen aufs unleidlichste.Man thnt ihm aber unrecht; Ludwig Philipp läßt ungern eine Be-leidigung hingehen, und möchte sich gerne schlagen, nur nicht mit jedem;z. B. er würde sich nicht gern mit Rußland schlagen, aber sehr gernmit den Preußen, mit denen er sich schon bei Valmy geschlagen, unddie er daher nicht sehr zu fürchten scheint. Man will nämlich nieFurcht an ihm bemerkt haben, wenn von Preußen und dessen bedroh-licher Rittertümlichkeit die Rede ist. Ludwig Philipp Orleans, derEnkel des heiligen Ludwig, der Sprößling des ältesten Königstammes,der größte Edelmann der Christenheit, pflegt dann jovial bürgerlich zuscherzen, wie es doch betrübend sei, daß die Uckermärkische Kamarilla sogar vornehm und adelstolz auf ihn, den armen Bürgerkönig, herabsehe.

Ich kann nicht umhin, hier zu erwähnen, daß man niemals anLudwig Philipp den Grand Seignenr merkt, und daß in der Thatdas französische Volk keinen bürgerlicheren Manu zum König wählen