Auslegung der Bergpredigt Christi. 3 1
hak- Denn soll man das Land und Güter besitzen, so muß manja nicht arm seyn? Er Heisset aber hier das Land besitzen, allerleyGüter haben hier auf Erden. Nicht, daß ein jeglicher ein gantzLand soll inne haben, sonst müßte Gott noch mehr Welten schaffen,sondern die Güter, so einem jeglichen Gott bescheret, daß er einemWeib, Kinder, Vieh, Haus, Hof gibt, und was darin gehöret,daß er im Lande (wo er wohnet) sitzen und bleiben kann, und sei-nes Guts ein Herr sey, wie die Schrift sonst pflegt zu reden, undPs. 37, 9- oft stehet: Die des Herrn harren, werden das Land er-ben: item V. 11. 12: Seine Gesegneten erben das Land. Darumbringt er hier die Glosse selbst, daß, geistlich arm seyn, davon erzuvor gesagt, nicht Heisset, ein Bettler seyn, oder Geld und Gutwegwerfen. Denn er will hier, daß sie im Lande wohnen undbleiben sollen und mit irdischem Gut umgehen, wie wir weiter hö-ren werden.
Was heißt nun: sanftmüthig seyn? Hier mußt du erstlich aber-mal wissen, daß Christus gar nichts redet von der Obrigkeit undihrem Amte; denn derselbigen gehöret nicht zu, daß die sanftmüthigsey (wie wir auf Deutsch Sanstmuth nennen), denn sie führet dasSchwerdt, damit sie die Bösen strafen muß, und hat einen Zornund Rache, die heißt Gottes Zorn und Rache. Sondern er sagtallein von einzelnen Personen, wie ein jeglicher vor sich leben sollgegen andern, ausser dem Amte und Regiment; als Vater undMutter, wo sie nicht als Vater und Mutter gegen ihren Kindernleben, noch ihr Vater- und Mutteramt treiben, das ist, gegen die,so sie nicht Vater und Mutter hcissen, als Nachbarn und andereLeute. Denn ich sonst oft gesagt habe, daß man die zwey weitunterscheiden muß, Amt und Person. Es ist viel ein andererMann, der da Hans, oder Martin heißt, und der da Churfürst,oder Doctor und Prediger heißt.
Denn hier werden gleich zwo unterschiedliche Personen in ei-nem Menschen, eine, darinnen wir geschaffen und geboren sind,nach welcher wir alle unter einander gleich sind, Mann, Weib,Kind, Jung, Alt. Aber wenn wir nun geboren sind, so kleidetund schmücket dich Gott zu einer andern Person, machet dich zueinem Kinde, mich zum Vater, einen zum Herrn, den andern zumKnecht, diesen zu einem Fürsten, jenen zum Bürger, und so fortan.Das Heisset denn eine göttliche Person, als die ein göttlich Amtführet und in seiner Herrlichkeit geschmücket gehet, und nicht schlechtHans oder Claus, sondern ein Fürst zu Sachsen, oder Vater undHerr heißt. Von dieser redet er hier nichts, sondern laßt sie für sich