Druckschrift 
6 (1828)
Entstehung
Seite
30
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ZV Auslegung der Bergpredigt Christi.

Denn die also Leide trugen, die mögen wol Freude haben undnehmen, wo sie können, daß sie nicht vor Traurigkeit versincken.Denn auch Christus eben diese Worte setzet und den Trost verheis-set, daß sie in ihrem Leide nicht verzagen, noch des Hertzens Freudegar nehmen und verloschen lassen, sondern solch Trauren mit demTrost und Labsal mengen: sonst, wo sie nimmer keinen Trost nochFreude hatten, müßten sie verschmachten und verdorren. Denn esvermag kein Mensch eitel Trauren zu ertragen; denn es saugt Saftund Kraft im Leibe aus, wie der weise Mann sagt, Sir. ZV, 25;38, 19: Traurigkeit hat viel Leute ums Leben bracht. ZtemSprüchw. 17, 22: Ein trauriger Muth vertrocknet das Marck inBeinen. Darum soll man solche nicht allein nachlassen, sondernauch heisscn und dazu treiben, daß sie sich zuweilen frölich machen,womit sie können, oder ja solch Trauren lindern und ein wenig ver-gessen.

Darum will Christus nicht, daß allein eitel Trauren und Be-trübniß da seyn soll, sondern will denen wehren, die gar nicht trau-rcn wollen, und eitel gute Tage und alle ihren Trost hier haben,und seine Christen lehren, wenn es ihnen übel gehet und traurenmüssen, daß sie wissen, daß solches Gott wohlgefallet, und ihnenauch Wohlgefallen lassen, nicht fluchen und toben, oder verzweifeln,als wolle ihr Gott keine Gnade haben. Wo das ist, da soll dasbittere Trüncklein mit Honig und Zucker gemenget und gelindert,oder gemildert werden, welches ist diese Verheissung, daß ihm sol-ches wohlgefallet, und daß er sie selig spricht, dazu auch hier getrö-stet und dort das Leid gar von ihnen soll genommen werden.

Darum laß gehen Welt und alle, die uns Leide thun, inihres Herrn, des Teufels Namen, und uns diß Lied singen undfrolich seyn in Gottes und Christi Namen. Denn es soll ihnendoch nicht hinaus gehen, wie sie wollen, sondern, ob sie gleich sichjetzt unsers Unglücks freuen und uns viel zu Leide thun, wollen wirdennoch einen guten Muth haben und erleben, daß sie zuletzt heu-len und weinen müssen, wenn wir getröstet und frölich werden.

5. Selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreichbesitzen.

Diß Stück folget fein auf das erste, da er gesagt: Selig sind,die geistlich arm sind. Denn wie er droben (V. 3.) das Himmel-reich und ewige Gut verheißet, also setzt er hier auch dazu eineVerheissung von diesem zeitlichen Leben und Gütern hier auf Erden.

Wie reimet sichs aber zusammen, arm seyn und das Land be-sitzen? Ich meyne der Prediger habe vergessen, was er angefangen