Druckschrift 
6 (1828)
Entstehung
Seite
26
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26 Auslegung der Bergpredigt Christi.

und Glauben (und zwar nicht allein ihr, sondern der gantzen Welt,wo sie am besten ist, welche allezeit auf dem Wahn bleibet, wennsie nur hier Gut, Ehre und ihren Mammon habe, so stehe sie wohl,und allein um desselbigen willen Gott dienet): also fahret er nunfort, und flösset auch um, daß sie hielten für das beste, seligste Le-ben auf Erden, wer es dazu könnte bringen, daß er gute, sanfteTage hatte, und kein Ungemach dürste leiden, von welchen der 73.Psalm saget: Sie sind nicht in Unglück, wie andere Leute, undwerden nickt, wie andere Leute, geplagt. Denn das ist das Höheste,das die Menschen begehren, daß sie mögen Freude und Lust haben,und ohne Uebel seyn. Nun kebret Christus das Blat um, setzetstracks das Widerspiel, und Heisset die selig, die da trauren undLeide tragen. Und so fort durchaus sind alle diese Stücke gestelletund gerichtet wider der Welt Sinn und Gedancken, wie sie es gernehatte. Denn sie will nicht Hunger, Kummer, Unehre, Schmach,Unrecht und Gewalt leiden, und die solches können überhaben seyn,halt sie für selige Leute.

So will er nun hier sagen, daß ein ander Leben seyn müsse,denn sie suchen und meynen, und sich ein Christ darnach muß rich-ten, daß er traure und Leid trage in der Welt- Wer das nichttbun will, mag hier wol gute Tage haben und nach allem seinemWillen leben, aber hernach soll er ewig trauren, wie er Luc. 6, 25.spricht: Wehe euch, die ibr hier lachet und gutes Muths seyd, dennihr werdet heulen und weinen müssen: wie es dem reichen Mannging, Luc. 16, 19., der alle Tage herrlich und in Freuden lebte,und sich schmückte in köstliche Seiden und Purpur, ließ sich düncken,er Ware ein grosser Heiliger und vor Gott wohl dran, daß er ihmso viel Gutes gegeben hatte, und ließ gleichwol dieweil den armenLazarum taglich vor der Thüre liegen voll Schwären, in Hungerund Kummer und grossem Elend. Aber was hörete er zuletzt fürein Urtheil, da er in der Höllen Gluth lag? Gedencke, daß du imLeben hast Gutes empfangen, Lazarus aber Böses; darum wirstdu nun gequalet, er aber getröstet, Luc. 16, 25. Siehe, das isteben dieser Text: Selig sind die da Leid tragen, denn sie sollen ge-tröstet werden! und wiederum so viel gesagt: Welche hier nichts,denn Freude und Lust suchen und haben, die sollen ewig weinenund heulen. Fragest du abermal: Wie soll man denn thun? Sollensie denn alle verdammt seyn, die da lachen, singen, springen undsich wobl kleiden, essen und trincken? Lesen wir doch von Königenund heiligen Leuten, die auch fröhlich gewesen sind, und wohl ge-lebt haben. Und sonderlich ist St. Paulus ein wunderlicher Heili-