Auslegung der Bergpredigt Christi.
Siehe, so schusser es Gott allezeit, daß sein Wort doch mußwahr bleiben, und niemand selig seyn, noch gnug haben, denn dieChristen, und die. andern, ob sie gleich alles haben, doch nichtsdesto besser haben, ja nimmermehr so gut haben, und müssen docharme Bettler bleiben, dem Hertzen nach zu rechnen; ohne daß diesegern arm sind und an einem unvergänglichen, ewigen Gut, das istam Himmelreich, hangen und selige Gotteskinder sind, jene abernach zeillichem Gut geitzen, und doch nicht erlangen, was sie wol-len, müssen dazu ewig des Teusels Märtyrer seyn. Und ist, kurtz,kein Unterschied unter einem Bettler vor der Thür und einem solchenleidigen Wanst, ohne daß jener nichts hat, und laßt sich mit einemStück Brods abweisen, dieser aber, je mehr er hat, je weniger erzu erfüllen ist, wenn er auch gleich aller Welt Geld und Gut aufeinen Haufen kriegte.
Darum dienet diese Predigt, wie ich gesagt habe, für dieWelt nicht, schasset auch nichts; denn sie bleibet dabey, daß sieihres Dinges will gewiß seyn und nicht glauben, sondern vor Augensehen und in der Hand haben, und spricht- Es sey besser ein Sper-ling in der Faust, denn nach einem Kranich in der Luft gaffen.Darum laßt sie Ebristus auch fahren, will niemand zwingen, nochmit den Haaren herzu ziehen, sondern gibt seinen treuen Rath, werihm will rathen lassen, und halt uns die allertheuerstcn Verheissun-gen vor. Willst du, so hast du hier Friede und Ruhe im Hertzen,und dort ewig, was dein Hertz begehren soll. Willst du nicht, sofahre immerhin, und habe lieber hier und dort alles Hertzelcid undUnglück. Denn wir sehen und erfahren, daß alles daran liegt, werihm laßt genügen, und nicht am zeitlichen Gut klebt; als mancherist, wenn er gleich nur einen Bissen Brods hat, kann ihm Gottdas Hertz füllen, daß er frölich und besser zufrieden ist, denn keinFürst noch König. Summa, er ist ein reicher Herr und Kayser,darf keine Sorge, Mühe und Hertzeleid haben.
Das ist das erste Stück dieser Predigt- Wer hie und dortgnug will haben, der dencke, daß er nicht so geitze und kratze, sondernnehme an und brauche, was Gott gibt, und nähre sich seiner Ar-beit im Glauben, so hat er hier das Paradies und das Himmelreichgar, wie St. Paulus auch sagt, 1. Timotb. 4, 8: Die Gottselig-keit ist zu allen Dingen nütze und hat die Verheissung, nicht alleindieses, sondern auch des zukünftigen Lebens.
4. Selig sind, die da Leide tragen, denn sie sollen getröstetwerden.
Wie er diese Predigt hat angefangen wider der Juden Lehre