Auslegung der Bergpredigt Christi,
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und sich hier Reichthums, Gewalt, Ehre und guter Tage verzeihenmüssen, sollen sie dennoch selig seyn, und nicht einen zeitlichen,sondern einen-andern, ewigen Lohn haben, daß sie im Himmelreichgnug haben.
Sprichst du aber: Wie, müssen denn die Christen alle armseyn, und darf niemand Geld, Gut, Ehre, Gewalt haben? Oderwie sollen die Reichen, als Fürsten, Herren, Konige thun? Müssensie all ihr Gut, Ehre fahren lassen, oder den Armen das Himmel-reich abkaufen, wie etliche gelehret haben? Antwort: Nein; es heißtnicht, den Armen abkaufen, sondern selbst arm seyn, und untersolchen Armen erfunden werden, wer da will das Himmelreich ha-ben. Denn es ist deutlich und dürre gesetzt: Selig sind die Armen,und stehet doch dabey das Wortlein geistlich arm, also, daß esauch nicht damit ausgerichtet ist, daß jemand leiblich arm sey, undkein Geld und Gut habe. Denn äusserlich Geld, Güter, Land undLeute haben, ist an ihm selbst nicht unrecht, sondern Gottes Gabeund Ordnung, So ist niemand darum selig, der ein Bettler istund nichts überall eigenes hat, sondern es heißt, geistlich arm seyn.Denn ich habe droben im Ansang gesagt, daß Christus hier garnichts handelt von weltlichem Regiment und Ordnung; sondern erwill allein von dem Geistlichen reden, wie man ausser und überdas äusserliche vor Gott leben soll.
Zum weltlichen Regiment gehöret, daß man Geld, Gut, Ehre,Gewalt, Land und Leute habe, und kann ohne diß nicht bestehen.Darum soll und kann ein Herr und Fürst nicht arm seyn; denn ermuß allerley solche Güter zu seinem Amt und Stande haben. Dar-um ists nicht die Meynung, daß man so müsse arm seyn, daß mangar nichts eigenes habe. Denn es kann die Welt nicht so bestehen,daß wir alle sollten Bettler seyn und nichts haben, denn auch keinHausvater sein Haus und Gesinde nähren könnte, wenn er selbstgar nichts hätte. Summa, leiblich arm seyn, thuts nicht. Dennman findet manchen Bettler, der das Brodt vor der Thüre nimmt,so stoltz und böse, als kein Nichter, und manchen schädigten Bauer,mit dem weniger um zu kommen ist, denn mit keinem Herrn undFürsten.
Darum sey leiblich und äusserlich arm oder reich, wie dirs bescheret ist,da fragt Gott nicht nach, und wisse, daß ein jeglicher müsse vor Gott,das ist geistlich und von Hertzen, arm seyn; das ist, daß er seineZuversicht, Trost und Trotz nicht setze auf zeitliche Güter, noch dasHertz darein stecke, und lasse den Mammon seinen Abgott seyn.David war ein trefflicher König, und mußte warlich seinen Beute!