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6 (1828)
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Auslegung der Bergpredigt Christi.

hatten sie alles gerichtet: wenn sie fromm waren und Gott dienetendas ihnen Gott genug geben sollte auf Erden und nichts gebrechenlassen, wie David Psalm 144, 13. 14- von ihnen sagt: Das istihre Lehre, daß alle Winckel und Kammern voll Vorrath seyn, unddie Anger voll Schafe, die allzumal voll und viel tragen, und dasVieh viel verarbeite, dazu kein Schade, noch Verlust, noch Unfalloder Plage sie treffe. Das heissen sie selige Leute.

Dawider thut hier Christus seinen Mund auf und spricht: Esgehöre ein anders dazu, denn daß man hier genug habe auf Erden;als wollte er sagen: Ihr lieben. Jünger, wenn ihr unter den Leu-ten predigen sollet, so werdet ihr finden, daß sie alle so lehren undglauben: wer da reich, gewaltig sey, der sey allerding selig, undwiederum: wer da arm, elend ist, der sey vor Gott verworfen undverdammet. Denn in dem Glauben stunden die Jüden starck, wennes einem Menschen wohl ginge, das wäre ein Zeichen, daß er einengnadigen Gott hatte und wiederum. Das machte, daß sie viel undgrosse Verheissungen von Gott hatten von zeitlichen und leiblichenGütern, die er denen Frommen wollte geben. Darauf verliessensie sich, mcyneten, wenn sie solches hatten, so waren sie wohl mitihm daran.

Darum ist eine nothige Predigt gewesen zum Ansang, daß ersolchen Wahn umstiesse und aus dem Hertzcn risse, als der grössestenHindernisse eines wider den Glauben, der den rechten Abgott Mam-mon im Hcrtzen starcket. Denn aus solcher Lehre hat nichts anderskönnen folgen, denn daß die Leute geitzig würden, und ein jeglichernur darnach trachtete, wie er genug und gute Tage hatte, ohneMangel und Ungemach. Und jedermann hat müssen drucken: Istder selig, dem es wohl gehet und Guts genug hat, so muß ich zu-sehen, daß ich auch nicht am wenigsten habe.

Das ist auch noch heutiges Tages aller Welt Glaube, sonder-lich der Türcken, die sich am höchsten darauf verlassen und stärcken,und daher schliesset!: es wäre nicht möglich, daß sie so viel Glückund Sieg battcn, wo sie nicht Gottes Voick'waren, und er ihnenvor allen andern gnädig wäre. So glaubet auch bey uns das gantzePabstthum, und stehet der Grund ihrer Lehre und Lebens darauf,daß sie nur genug haben, und haben damit aller Welt Güter zusich bracht, wie man vor Augen siehet, Summa, diß ist der größteund weiteste Glaube oder Religion auf Erden, darauf alle Menschennach Fleisch und Blut bleiben, können auch kein anders für Selig-keit achten. Darum bringet er hier gar eine andere neue Predigtvor die Christen, daß, wenn es ihnen übel gehet, Armuth leiden,