Druckschrift 
6 (1828)
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

Auslegung der Bergpredigt Christi. ttt

thut, die Wahrheit lehret und strafet beyde, falsche Lehre und Leben,wie wir hören werden.

Selig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreichist ihr.

Das ist ja ein feiner, süsser, freundlicher Anfang seiner Lehreund Predigt. Denn er fahret nicht daher, wie Moses, oder einGesetzlehrer, mit Gebieten, Dräuen und Schrecken, sondern aufsallerfreundlichste, mit eitel Reihen und Locken und lieblichen Ver-heissungen. Und zwar, wo es nicht also gefasset und uns allen vor-getragen waren die lieben Worte und Predigt, die der Herr Christuszum ersten gethan hat: so würde einen jeglichen der Fürwitz reihenund treiben, darnach zu laussen bis gen Jerusalem, ja bis ansEnde der Welt, da man nur ein Wort davon hören mochte. Dasollte man Geld genug finden, daß die Strasse wohl gebauet würde,und würde jedermann gar herrlich rühmen, wie er die Worte undPredigt gehöret oder gelesen hatte, die der Herr Christus selbst geredthatte. O welch ein treflich selig Mann sollte der geachtet werden,dem solches möchte widerfahren! So würde es gewißlich gehen, wennwir nicht davon geschrieben hatten, obgleich sonst viel von anderngeschrieben wäre; und würde ein jeglicher sagen; Ja, ich höre wol,was St. Paulus und andere seiner Apostel gelekret haben, aberviel lieber wollte ich hören, was er doch selbst geredet und gepredigethatte. Jetzt aber, nun es so gemein ist, daß es jedermann imBuch geschrieben hat und taglich lesen kann, achtet es niemand füretwas sonderliches und köstliches. Ja, wir werden es dazu über-drüssig und schlagen es in Wind, als hätte es nicht die hohe Ma-jestät vom Himmel, sondern irgend ein Schuster geredt. Darumwiderfähret uns auch, zur Strafe unsers Undancks und Verachtung,daß wir wenig genug davon haben und nimmer fühlen noch schme-cken, was für ein Schatz, Kraft und Gewalt in Christi Worten ist.Wer aber die Gnade hat, daß ers recht ansehe, als Gottes undnicht Menschen Wort, der wirds auch wobl höher und tkeurer ach-ten , und nimmermehr müde noch überdrüssig werden. Wie freund-lich aber und süsse diese Predigt ist für die Christen, die seineSchüler find, so verdrüßlich und unleidlich ist sie für die Jüden undihre grossen Heiligen. Denn er gibt ihnen bald im Anfang einenharten Stoß mit diesen Worten, verwirft und verdammet ihre Lehre,und prediget gleich das Widerspiel; ja er schreyet Wehe über ihrLeben und Lehre, wie Lucas 6, 24. anzeiget. Denn das ist dieSumma ihrer Lehre gewesen: Wenn es einem Menschen wohlginge hier aus Erden, der wäre selig und wohl dran. Und dahin

2*