Druckschrift 
6 (1828)
Entstehung
Seite
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Auslegung der Bergpredigt Christi.

mann schweigen müsse, und ihn austreten lasse als den, der gottlichRecht und Befehl hat, sondern auch das Maul frisch und getrostaufthue, das ist, die Wahrheit und, was ihm befohlen ist, zu pre-digen, nicht schweige, noch murmele, sondern ohne Scheu und un-erschrocken bekenne und dürre heraussage, niemand angesehen nochgeschont, es treffe wen oder was es wolle.

Denn das hindert einen Prediger gar sehr, wenn er sich willumsehen und sich damit bekümmern, was man gerne höret odernicht, oder was ihm Ungunst, Schaden oder Gefahr bringen möch-te; sondern, wie er hoch auf dem Berge, an einem öffentlichen Orte,stehet und frey um sich siehet- so soll er auch frey reden und nie-mand scheuen, ob er gleich mancherley Leute und Köpffe siehet,und kein Blat fürs Maul nehmen, weder gnadige noch zornigeHerren und Junckern, weder Geld, Reichthum, Ehre, Gewalt,noch Schande, Armuth, Schaden ansehen, und nicht weiter drucken,denn daß er rede, was sein Amt fordert, darum er da stehet.

Denn Christus hat das Predigtamt nicht dazu gestifftet undeingesetzet, daß es diene, Geld, Gut, Gunst, Ehre, Freundschaft zuerwerben, oder seinen Vortheil damit zu suchen, sondern daß mandie Wahrheit frey, öffentlich an Tag stelle, das Böse strafe, undsage, was zur Seelen Nutz, Heil und Seligkeit gehöret. DennGottes Wort ist nicht darum hier, daß es lehre, wie eine Magdoder Knecht im Hause arbeiten soll und sein Brod verdienen, oderein Bürgermeister regieren, ein Ackermann pflügen oder Heu ma-chen. Summa, es gibt noch zeiget nicht zeitliche Guter, dadurchman dieses Leben erhalten, denn solches hat die Vernunft vorhinalles einen jeglichen gelehret; sondern das will es lehren, wie wirsollen kommen zu jenem Leben, und heißt dich dieses Lebens brau-chen und den Bauch hier nähren, so lange es wahret, doch, daß duwissest, wo du bleiben und leben sollest, wenn solches aufhörenmuß.

Wenn nun solches angehet, daß man predigen soll von einemandern Leben, darnach wir sollen trachten, und um deßwillen wirdeß nicht sollen achten, als wollten wir ewig hier bleiben, so gehetdenn Hader und Streit an, daß die Welt nicht leiden will. Wodenn da einem Prediger der Bauch und zeitlich Leben lieber ist, derthuts nickt, stehet wol und waschet auf der Cantzel, aber er predigtdie Wahrheit, thut das Maul nimmer nicht auf; wo es will übelgehen, da halt er inne, und beisset den Fuchs nicht. Siehe, darumhat Matthaus das Gepränge vorher geschrieben, daß Christus, alsein rechter Prediger, auf den Berg gehet und den Mund frisch auf-