6 Anmerckungen über den Evangelisten Matthäus.
Matthaum ist. Denn dergleichen würde ich verfertiget haben, wennich hatte Anmerckungen über den Matthaum (wie der bereits gedruckteTittel von diesem Wercke lautet, und also mehr verspricht, als dasBuch in sich halt,) heraus geben wollen. Allein, gleich wie ich vonohngefahr zu dieser Arbeit kam, da gedachter gute Freund bereits überdas achte Capitel laß: also habe ich auch mit ihm bey dem achtenCapitel aufgehöret. Daher kömmt es, daß die Anmerckungen nurüber zehen Capitel im Druck erscheinen, ob es gleich dem Titel nachlautet, als ob die Anmerckungen über den gantzen Evangelistengiengen.
Derowegen wird der geneigte Leser dieses zum Besten ausle-gen, daß in dem Tittel zu viel enthalten, und anstatt des Gantzennur ein Stück davon erscheinet, und solches meinen guten Freundenzu gute halten; von mir mag er dencken, was er will. Denn ichhalte es ferner für überflüssig, und ich achte mich für untüchtig, nochmehrere Schriften über das heilige Bibelbuch heraus zu geben, alswelches nunmehro unter dem Scheffel des Pabstthums herfüc gezo-gen, und auf den Leuchter gestellet ist, daß es vor sich selbst Heller,als die Sonne, allen, die zum Hause Christi eingehen, leuchtet. Undwenn wir die Sache recht überlegen wollen, so sind jetzo weit, weitmehr Bücher, als Leser vorhanden, und es gibt auch jetzo noch de-rerjenigcn weit mehr, die da schreiben, als derer, die da lernen; also,daß da viel Büchermachens kein Ende ist, (wie Salomon, Pred. am12, 12. darüber klaget, zu befürchten stehet, es werde in kurtzer Zeitdie Menge derer Bücher, so die besten nicht sind, die geringe Anzahlderer guten unterdrücken, auch selbst die Bibel endlich wiederum ver-dunckeln und unter einen weit unglücklichern Scheffel, als der vorigegewesen, gebracht werden.
Also sehen wir, daß es nach der Apostel Zeiten ergangen ist.Diese hatten die Bibel ans Licht gebracht; aber indem ihre Nach-kommen die Bücher ohne Maasse Haufeten, haben sie es endlich da-hin gebracht, daß die Kirche, anstatt der Bibel, die Lehrer, die Kir-chenvater, die Concilia, zuletzt auch die vecrets, Sophisten undMenschenunflath ohne Ende zu lehren und zu lernen genöthiget wur-de, bis endlich der Spruch Jeremia 2, Z2. erfüllet wurde: MeinVolck vergisset mein ewiglich. Dieses ist die Ursache, warum ichnicht eben wünsche, daß meine Bücher langer, als dieses Jahrhun-dert hindurch, dem sie gedienet haben, dauern mögen. Gott wird zuandern Zeiten auch seine Arbeiter senden, gleichwie er allezeit ge-than hat.
Derowegen soll ein jeder unter uns dahin sehen, daß wir also