Anmerckungen über ven Evangelisten Matthäus.
D. Martin Luther an den andächtigen Leser.
^ch habe in denen Gedancken gestanden, daß diese Anmerckungenverloren gegangen, und also auch nicht gewußt, daß man diese SchriftAnmerckungen genennet hat, bis mir selbige durch gute Freunde, diesie aufbehalten und zum Druck ausgefertiget, überbracht wurde.Denn es hat mit selbiger diese Bewandniß. Einem guten Freundezu Gefallen, der damals über den Matrhaum laß, habe ich bey Ti-sche, weil ich sonst keine Zeit hatte, etwas aufgeschrieben, damit erMaterie zu seinen Lectionen hatte. Im übrigen aber bin ich nichtsweniger, als dieses vermuthend gewesen, daß dergleichen Gedanckensollten zum Druck aufbehalten werden. Denn man hat Bücher ge-nug und die Menge, sowohl von alten, als neuen, daß ich es alsogar gerne kann geschehen lassen, wenn meine Bücher verloren gehen.
Ich bin von meinen Widersachern mit Gewalt darzu genöthi-get worden, daß ich mich habe müssen ans Licht wagen; jedoch habeich darbey keine andere Absicht gehabt, als daß ich, vermöge meinerPflicht und Amts, die tstuchoso-. zu denen Quellen selbst, nemlichzur heiligen Schrift, führen möchte. Und mich dünckt, ich habe die-sem meinem Amte durch Gottes Gnade eine solche Gnüge gethan,daß es nicht ohne allen Segen gewesen. Denn man hat nunmehrodie Bibel selbst, sowol in Hebräischer, Griechischer und Lateinischer,als auch in unsrer Deutschen Sprache, wiederum in Handen, undzwar ist dieselbe größtentheils dermassen erläutert, daß ein jeder (wenner nur fromm ist und Fleiß anwendet,) sich selbst in der heiligenSchrift ohne meine Bücher weiden und seine Seele davon fett ma-chen kann.
Derowegen geschieht es eben nicht mit meinem Willen und aufmein Anregen, daß diese gegenwärtigen Anmerckungen ans Licht gestel-let werden, sondern ich muß es nur so geschehen lassen, weil es meineguten Freunde haben wollen, welches auch die Sache selbst auswei-sen wird, indem es keine vollständig? Auslegung über den gantzen