54 Gedanken über dle Getraidespcrre,
vergeblich ist, wie die Wachsamkeit der Englande gegendie Schmuggler. Der letzte Himten wäre uns zu Theilgeworden, und der Schleichhandel, der seiner Namrnach, ein grausamer Verächter aller gottlichen und mensch-lichen Gesetze, und.verwüstender als alle freye Ausfuhrist, würde ihre zugespcrreten ttnterthanen ans das äus-serst«! gebracht haben, wenn uns die Roth dazu gezwun-gen und das Geld dahin gereichet hätte.
Gesetzt aber auch, eiu Land von hundert Meilen imUmkreiße liefe sich glücklicher sperren, als der enge Schoosder Danae, welcher sich aller Niegel und Wachen unge-achtet, für Jupiters güldnen Regen öffnete: so würde ichdennoch in jenem Falle nicht zur Sperrung rathen.
Schwerlich wird es Länder geben, deren Einwohneralle dem Ackerbau obliegen; und wenn es dergleichengiebt: so wird dieSpcrrung daselbst am wenigsten nöthigseyn, weil vorausgesetzt wird, daß uothdürstigerVorrathin demselben vorhanden sei), und man weiter voraussez-zen kann, daß ein Ackerbauer allemal seine eigne Noth-durft selbst zurückhalten werde.
Der gewöhnlichste Fall ist, daß man in einem Landeeinen Ackerbauer gegen zehn andre, die sich auf andre Arternähren, antreffe. Hier fragt man nun billig: soll dereine Ackerbauer die Macht haben, jenen neun Familien,die ihm bisher sein Korn abgekauft, die ihm neun Jahremit ihrem Fleiße und mit ihrem Gelde gedient, ohne dieer zur andern Zeit gar nicht fertig werden kann, soll er,sage ich, im zehnten Jahre (denn alle zehn Jahr kömmtdoch wohl nur eine Theurung,) die Macht haben, diesenun auf einmal im Kornpreise zu übersetzen, und sie umdeswillen wohl gar darben zu lassen, weil er außerhalbLandes eine» übermäßigen Preiß erhalten kann? Solltenicht der zehnjährige Vortheil, den er von ihnen sonst ge-habt, ihn wegen des einjährigen Verlustes entschädigen?Und kann es einer Landesherrschast verdacht werben,
wenn-