Druckschrift 
Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
586
Einzelbild herunterladen
 

586

geliebt hatte, seine Hnld erwiesen, als dadurch daß er seineLiebe in der Versöhnung durch Christi Blnt offenbarte?Denn da Gott die Quelle aller Gerechtigkeit ist, so mußder Mensch, so lange er ein Sünder ist, nothwendig ihnzum Feind und Richter haben. Der Anfang der Liebe istalso die Gerechtigkeit, wie sie von Paulus beschrieben wird'):Er hat den, der von keiner Sünde wußte, füruns zur Süude g emacht, a u f d a ß w i r i n i h m w ü r-den die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt." DerApostel will nämlich sagen: wir Hütten durch Christi Opfereine aus Gnaden uns geschenkte Gerechtigkeit erlangt, sodaß wir, die wir von Natur Kinder des Zorns, und durchdie Sünde von ihm abgewichen sind, nun Gott Wohlgefal-len. Dieser Gegensatz ist auch überall bemcrklich, wo mitder Liebe Gottes die Gnade Christi verbunden wird; wo-raus folgt, daß er vou dem Seinigen, was er erworbenhat, uns mittheile; weil es unpassend seyn würde, abge-sondert von dem Vater ihm das Lob beizulegen, daß esseine Gnade sey und solche von ihm komme.

3. Daß aber Christus durch seinen Gehorsam uns wirk-lich die Gnade bei dem Vater erworben und verdient hat,erhellet sattsam ans mehreren Stellen der Schrift. Dennich nehme es als zugestanden an, daß Christus, wenn er fürunsere Sünden genug gethan, die uns gebührende Strafegelitten, durch seinen Gehorsam Gott versöhnt hat, undals der Gerechte für die Ungerechten gestorben ist, durchseine Gerechtigkeit uns die Seligkeit erworben oder, wasdasselbe sagt, verdient habe. Paulus bezeugt-), daß wirmit Gott versöhnt sind, und die Versöhnung durch den TodChristi empfangen haben. Versöhnung kann aber nur stattfinden nach vorgängiger Feindschaft. Der Sinn dieser Stelleist also: Gott, dem wir wegen unserer Sünde verhaßt waren,ist durch den Tod seines Sohnes versöhnt, so daß er unsgnädig ist. Auch müssen wir den Gegensatz in dem nach-

1)2 Kor. 5, 21. 2) Röm. s, 10. 11.