gen der Menschen, indem er entfernt von ihnen im Verbor-genen seine Seufzer zu seinem Vater richtete. Jeder Zweifelverschwindet, wenn man bedenkt, daß Engel vom Himmelerscheinen mußten, um ihn bei seinem Gebete zu starken/)Welche schimpfliche Feigherzigkcit wäre es gewesen, wennihn eine solche Furcht und Angst vor dem gewöhnlichen Todeergriffen hätte, daß sein Schweiß wie Blutstropfen ward,und er zu seiner Stärkung eines Engels vom Himmel be-dürfte! Wahrlich, jenes dreimal wiederholte Gebeth:„Vater, ists möglich, so gehe dieser Kelch vonmir!" — ergoß sich aus einem tief beängstigten Herzen,und zeigt, daß Christus einen schwereren Kampf zu käm-pfen hatte, als mit der gewöhnlichen Todesfurcht. Aus demallen geht hervor, wie keck jene Schwärmer über Sachenurtheilen, weil sie nie ernstlich erwogen haben, was esheißt und bedeutet, daß wir von dem Gericht Gottes erlö-set sind. Aber darin besteht unsere Weisheit, es ganz zufühlcu, wie viel unsere Erlösung dem Sohne Gottes geko-stet hat. Fragt man, ob Christus damals, als er um Ab-wendung des Todes bat, zur Hölle hinabgestiegen sey:so antworte ich, solches sey der Ansang gewesen, wo-raus ersehen werden kann, welche schreckliche Angst undPein er erduldet, als er um uuscrctwillen als der Schul-dige vor Gottes Gericht stand. Wiewohl aber die göttlicheKraft des Geistes eine kurze Zeit sich vor ihm verbarg, umder Schwachheit des Fleisches Raum zu geben, so dürfenwir doch an keinen solchen Kampf denken, bei welchemSchmerz und Angst den Glauben verdrängt hätten. Undso bestätigt sich, was Petrus sagt: er konnte von denSchmerzen des Todes nicht gehalten werden. Denn fühlteer sich auch von Gott gleichsam verlassen, so wich er den-noch nicht im mindesten von dem Vertrauen auf seine Liebe,wie die merkwürdigen Worte beweisen, die er in seinemgroßen Schmerze aussprach: „Mein Gott, mein Gott, wa-
ll ?uc. 3Z2, 43. 2) Mattb. 26, 39-4-5.