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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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etwas an sich Mangelhaftes Christo beizulegen. Als ob sieweiser wären, als der Geist Gottes, der dieses Beides miteinander verbindet:Christus sey allenthalben versucht wiewir, doch ohne Sünde." Es ist also gar kein Grund vor,Handen, wcßhalb wir vor der Annahme menschlicher Schwach,heit in Christo erschrecken sollten, da er nicht durch Zwangund Gewalt dazu genöthigt, sondern aus bloßer Liebe undErbarmung gegen uns bewogen wurde. Was er aber frei«willig zu unserm Besten übernahm, vermindert seine Würdenicht. Darin irren jene Widersacher, daß sie in Christo,der sich innerhalb der Gränzen des Gehorsams hielt, einevon jedem Fehler unb Makel völlig freie Schwachheit nichtanerkennen. Denn da eine solche Hingebung bei unsererVerderbthcit, wo alle Leidenschaften mit tobendem Ungestümdie Gränzen überschreiten, nicht statt finden kann, so messensie mit Unrecht nach diesem Maßstabe den Gottessohn. Beiihm dem Reinen aber walltetc in allen Gemüthsbewegungeneine Mäßigung, die jedes Uebermaß hemmte. So konnteer in Schmerz, Furcht und Angst uns gleich seyn, jedochdurch jenes Merkmal verschieden. Des Irrthums über,führt, kommen sie nun aus einen andern Einwurf. Chri-stus habe zwar den Tod, nicht aber den Fluch und ZornGottes, weil er sich davor sicher wußte, gefürchtet. Diefrommen Leser mögen aber erwägen, ob es Christo zurEhre gereiche, wenn man ihn für weichlicher und furchtsa-mer erklärt, als meistens gewöhnliche Menschen sind. Tro-tzig gehen Räuber und andere Uebclthäler ihrem Tode ent-gegen, Viele verachten ihn mit stolzem Sinn, Andere er-dulden ihn ruhig. Wo beweiset aber der Sohn GottesStandhafligkeit und Seelengröße, wenn die Furcht des To-des ihn erschüttert und überwältigt? Denn was für un-natürlich gehalten werden könnte, wird von ihm erzählt^),daß bei der Heftigkeit der Angst Blutstropfen von seinemAngesicht geflossen. Aber diesen Anblick entzog er den Au-

t) Luc. 22, 44.