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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
568
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fern ihn, der unsere Stelle vertrat, der Tod nicht ver-schlang. Und wahrlich, es läßt sich kein furchtbarer Ab-grund denken, als sich von Gott verlassen und entfernt zufühlen, und bei seinem Flehen nicht erhört zu werden,gleichsam als hatte er sich zu deinem Verderben verschwo-ren. So hoch stiegen aber Christi Leiden, daß er in seinergroßen Seelenangst ausrufen mußte'):Mein Gott,mcinGott, w arum hast du mich verlassen?" Denndie Meinung Einiger^): daß er diese Worte mehr nach derAnsicht und Vorstellung Anderer, als aus eigenem Gefühlgeredet habe, ist gar nicht wahrscheinlich, da sie offenbaraus einer tief beängstigten und schwer kämpfenden Seelehervorgiengen. Jedoch will ich damit nicht sagen, daß Gottihm seine Liebe je entzogen und wirklich auf ihn gezürnthabe. Denn wie sollte Gott seinem geliebten Sohne zür-nen, an dem er ein Wohlgefallen hatte? Oder wie konnteChristus unsere Versöhnung mit dem Vater vermitteln,wenn dieser gegen ihn selbst feindselig gesinnt war? Nurdas behaupten wir, daß er die Schrecken des göttlichenStrafgerichts empfunden habe, weil er von Gottes Handverwundet und geschlagen, alle Zeichen eines zürnendenund strafenden Gottes erfahren. Darum sagt Hilarius^),durch diese Niederfahrt sey uns die Aufhebung des Todeserworben. Auch in andern Stellen stimmt er meiner Mei-nung bei, z. B. wenn er sagt:Kreuz, Tod und Höllesind unser Leben" und dann:der Sohn Gottes ist inder Hölle, aber der Mensch wird zum Himmel erhoben."Doch wozu Zeugnisse eines bloßen Menschen, da der Apo-stel dasselbe sagt? Dieser setzt nämlich die Frucht diesesSieges in die Befreiung derer, die durch Furcht des Todesihr ganzes Leben hindurch Knecht seyn mußten. Besiegenmußte also Christus diese Furcht, die von Natur alle Sterb-liche unablässig ängstigt; und das konnte nur durch Kamps

l) Match. 27, 4k- Marc. 45, 34. Ps. 22, 2. 2) Vergl. -io

rscc-i k-ie ac! lil>, ?. 3) cle li'initütc lib. ,j. c. 2, 3.