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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
560
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nct." Wozn dieses? Damit eineS SnndcrS , nicht abereines Gerechten oder Unschuldigen Loos ihn träfe, weil ernicht der Unschuld, sondern der Sünde wegen den Tod er.duldete. Wird er aber von demselben Munde, der ihn ver-dammte, freigesprochen, wie Pilatus mehrmals sich gezwun«gen fühlt, ihm öffentlich das Zeugniß der Unschuld zu ge-ben, so wollen wir dessen gedenken, was ein anderer Pro-phetverkündigt"):Er bezahlt, was er nicht geraubthat." Indem wir so in Christo zugleich die Person einesSünders und eines Unschuldigen erblicken, so wird es imGlanz seiner Unschuld uns einleuchtend, daß er fremde,nicht eigene Schuld büßte. Er hat also unter Pontius Pi- ^latns gelitten, und ist durch den feierlichen Richterspruchdesselben den Uebelthätcrn beigezählt, doch so, daß dieserihn zugleich als einen Gerechten darstellt, indem er versi- Dchcrt"):er finde keineSchuld an ihm." Das ist un-sere Lossprcchung, daß auf das Haupt des Sohnes Gottesdie Schuld gelegt ward, die uns straffällig machte. Andiesen Ersatz müssen wir uns vor allen halten, damit wirnicht unser Lebenlang zittern und zagen, als ob Gottes ge-rechte Strafe, die der Sohn Gottes auf sich genommenhat, uns bedrohe.

6. Auch in der Art des Todes, den Christus litt, liegtein besonderes Geheimniß. Der Kreuzestod war verflucht,nicht bloß nach menschlicher Ansicht, sondern auch nach demgöttlichen Gesetze. Indem Christus also ans Kreuz geschla-gen wird, unterwirft er sich dem Fluche; und das mußtegeschehen, damit wir von allem Fluch, der unserer Sündenwegen uns bevorstand oder vielmehr auf uns lag, befreitwurden, indem er auf ihn übergieng. Das war auch imGesetze vorgebildet: denn das hebräische Wortdas eigentlich Sünde bedeutet, bezeichnete auch die für dieSünden dargebrachten Schlacht - und Sühnopfer. DurchUebertragung dieses Wortes wollte der Geist das Wesen

t) Ps. 6S, 5. 2) Joh. t8, 3S. Z) Vergl. Z Mos. 5, 6, 7.