Druckschrift 
Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
535
Einzelbild herunterladen
 

535

vergessen, daß Gott Engeln und Menschen allezeit nur sei-nes eingebornen Sohnes wegen Vater war, und daß dieMenschen absonderlich, welche ihre Sünde vor Gott miß-fallig macht, allein durch die freie Gnade seine Kinder sind,da Christus es von Natur ist. Die Einwendung Scrvets,daß dieses eine Folge der von Gott beschlossenen Kindschaftsey, ist nichtig: denn hier kann nicht von Vorbildern dieRede seyn, wie die Versöhnung durch das Blut der Opfcr-thiere vorgebildet war; aber weil sie ohne ein Haupt, durchwelches die Kindschaft vermittelt wurde, uicht wirklich Kin-der Gottes seyn konnten, so ist es unvernünftig, demHaupte abzusprechen, was die Glieder besitzen. Ich gehenoch weiter. Da die Schrift die Engel Kinder Gottesnennt, deren hohe Würde von der künstigen Erlösung nichtabhing, so muß doch Christus, der sie als Kinder mit demVater vereinigt, ihnen darin vorangehen. Das gilt auchvon den Menschen, wie ich kürzlich zeigen will. WurdenEngel und Menschen ursprünglich so geschaffen, daß Gottihr gemeinschaftlicher Vater war, und ist der AusspruchPauli war :Christus sey allezeit das Haupt und der Erst-geborene von allen Kreaturen gewesen, um in allen Dingenden Vorgang zu haben" so folgt nothwendig daraus,daß er auch vor der Weltschöpfung der Sohn Gottes war.

6. Wenn nun seine Sohnschaft ( wenn ich so reden darf)erst mit seiner Erscheinung im Fleisch ihren Anfang nahm,so folgt daraus, daß er auch in Hinsicht seiner menschlichenNatur Sohn gewesen. Servet und ahnliche Schwärmersagen: Christus, der im Fleisch erschien, sey der SohnGottes, und habe, ohne die Hülle des Fleisches an sich zunehmen, diesen Namen nicht führen können. Sie mögenmir jetzt antworten, ob er vermöge und hinsichtlich beiderNaturen Sohn sey. So schwatzen sie freilich; aber Pauluslehrt ganz anders. Ich gebe zu, daß Christus in seinermenschlichen Gestalt der Sohn genannt werde, aber nicht,wie die Glaubigen, nur durch die Erwählung und Gnade,sondern der wahre, natürliche und deßwegen einige;